Mit einer Legende in die Tiefen vor Martinique
Artenvielfalt
Bis zu 40 m
9Wracktauchen
Kaum Strömungen10
Sichtweiten9.6
Unterwasser Flora und Fauna9.8
Nachhaltigkeit9.6
Geeignet für Anfänger6

In Saint-Pierre liegen hunderte Schiffswracks vor der französischen Karibik-Insel Martinique. Die Tauchgänge dorthin entführen in eine andere Welt und gerade die Roraima zählt zu den besten Schiffswrack-Tauchgängen, die die Karibik zu bieten hat. Mit etwas Glück tauchen auf Martinique Kenner mit Michel Météry. Wer das ist und warum mich dieser ältere Herr ganz aus dem Häuschen geraten ließ, lest ihr auf meinem Bericht über meinen Tauchgang auf Martinique.

Vor fünf Minuten hatte ich noch nie von diesem Mann gehört, doch innerhalb von Sekunden wickelte er mich um seinen Finger.

Braungebrannt, schlohweißes Haar, charmantes Lächeln und voller interessanter Geschichten aus einer Zeit, als er zusammen mit dem legendären Jacques-Yves Cousteau und Albert Falco auf der Calypso die Weltmeere befahren hat.

Sein Name war Michel Météry.

Michel war nicht nur ein guter Freund von Cousteau sondern entdeckte durch Zufall im Jahr 1974 die zahllosen Schiffswracks vor Saint Pierre, in dem er einheimischen Fischern half, ihre hängen gebliebene Netze aus dem Wasser zu holen. Beim Tauchen bemerkte er im Hafen von Saint-Pierre riesige Schiffswracks. Unmengen davon.

In mühseliger Arbeit und mit unendlich viel Geduld kartographierte er die Wracks vor Saint-Pierre und schrieb sogar ein Buch darüber: „Tamaya“ nach einem der am Meeresboden von Saint-Pierre liegenden Schiffswracks benannt.

Michel Metery Martinique (c) Anja Knorr

Ich konnte es nicht glauben, als er mir vor meinem zweiten Tauchgang eine Ausgabe seines Buches in die Hand drückte, und es mir mit persönlichen Worten signierte. Nicht nur durfte ich mit einer lebenden Legende tauchen, sondern er nahm sich Zeit für mich, um mir sein Lebenswerk zu erklären.

Ich war tief bewegt von seinen Geschichten, seinem Wissen und seiner bescheidenen, liebenswürdigen Art.

Er erklärte mir, dass Saint-Pierre über Jahrhunderte das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum der karibischen Insel Martinique war. Dort pulsierte das Leben, es gab Theater, Konzerthallen, elegante Caféhäuser und eine riesige Reederei.

Nicht umsonst war Saint-Pierre lange Zeit die Hauptstadt Martiniques.

Saint Pierre Hafen Martinique (c) Anja Knorr

Der Morgen des 8. Mai 1902 änderte jedoch alles. Es war Himmelfahrt und besonders viele Besucher fanden sich in der riesigen Kathedrale zu Gebeten ein. Schon seit Tagen brodelte der nur sieben Kilometer entfernt gelegene Vulkan Mont Pelé und dunkle Aschewolken stiegen auf. Die Einwohner Saint-Pierres waren alarmiert, doch wurden vom Bürgermeister beruhigt, sich keine Sorgen zu machen. Es bestünde keine Gefahr und sie sollten auf keinen Fall die Stadt verlassen.

So erinnerte sich der italienische Kapitän Marion Leboffe der Orsolina angesichts der dunklen Aschewolken an die Erzählungen seiner Heimatstadt Neapel:

„Ich weiß zwar nichts über den Mont Pelée, aber wenn der Vesuv so aussähe wie euer Berg heute Morgen, würde ich Neapel verlassen. Und ich verschwinde von hier.“

Obwohl sein Schiff erst zur Hälfte beladen war, beschloss er ein paar Tage vor dem Ausbruch Saint-Pierre zu verlassen und rettete damit seiner Mannschaft das Leben. Anwesende Zollinspektoren drohten ihm sogar noch mit einer Gefängnisstrafe, so unbeirrt fühlten sich die Einwohner und beschlossen die Zeichen des Vulkans zu ignorieren.

Am 8. Mai 1902 kurz vor acht Uhr morgens brach der Mont Pelé schließlich mit solch einer gewaltigen Explosion aus, dass die glühend heiße Aschewolke Saint-Pierre unter sich begrub und komplett niederbrannte. Von der Stadt selber blieb nichts weiter übrig als ein paar brennende Ruinen und mehr als zweihundert Boote, die tagelang im Hafen vor sich hin brannten, bevor sie krachend untergingen.

Fast 30.000 Menschen fanden innerhalb weniger Minuten einen qualvollen Tod. Nur drei Einwohner überlebten die Katastrophe, wovon Louis-Auguste Cyparis der bekannteste ist. Er befand sich zur Zeit des Vulkanausbruchs als Gefangener in einer Gefängniszelle, deren mächtige Mauern ihn schützten und überlebte schwerverletzt.

Riesiges Schiffswrack Roraima vor der Küste Martiniques

Roraima Martinique
Dementsprechend ehrfürchtig tauchten wir auf die rund 300 Meter vom Hafen gelegene Roraima hinab, dem größten Schiff, dass durch den Vulkanausbruch zerstört wurde. Allerdings muss das Schiffswrack in zwei Tauchgängen erkundet werden, da es sich über eine große Fläche von rund 120 Meter auf etwa 40 bis 45 Meter Tiefe verteilt.

Die Roraima war ein kanadisches Passagierschiff, das 1902 ebenfalls von der gewaltigen Glutwolke zerstört wurde. Da die Wolke derart heiß war, dass das Meer anfing zu kochen, wurde die Roraima von einer Welle aus Glut überrollt und kippte auf die Steuerbordseite. Das Schiff explodierte und die meisten der 68 Passagiere wurden sofort getötet. Das Schiff brannte drei Tage bevor es schließlich unterging.

Korallen Martinique (c) Anja Knorr

Das Schiffswrack ist außergewöhnlich gut erhalten: Das Heck ist teilweise vom Rumpf abgetrennt und der Bug wurde durch den Aufprall auf dem Grund eingedrückt. Wir starteten am Schiffsbug und glitten durch das Schiff. Gespenstisch lag der Anker am Meeresboden. Bunte Korallen und Gorgonien überwuchsen die Wände und trotzdem war das Schiff noch genau zu erkennen.

Wir schwammen an den ehemaligen Offiziers-Toiletten vorbei und ein paar Meter weiter waren deutlich die Dampfkessel zu sehen.

Die Zeit schien still zu stehen und eine unheimliche Atmosphäre lies mich frösteln. Ich fragte mich, was die Menschen an Bord erlebt hatten und warum sie sich auf die mühsame und beschwerliche Überfahrt von Quebec zu de West Indies gemacht hatten.

Rotfeuerbarsch

Im Innern des Schiffs schwommen eine Vielzahl von Fischen wie Dorsche und unzählige Rotfeuerbarsche schwammen an uns vorbei. Sogar ein paar bunte Nudibranches machte ich aus.

Nach zwanzig Minuten hieß es schon wieder Aufstieg, weil ich jedoch einen Suunto Tauchcomputer benutzte, und ich eine Minute zu lange auf 45 Meter Tiefe blieb, musste ich einen 20 minütigen Saftey Stop einlegen. Ich hatte kaum noch Luft in meinem Tank und holte mir in der vom Boot baumelten Sicherheitsflasche meinen Sauerstoff. So hing ich scheinbar endlos im Meer und wartete, bis die Zeit vorbei ging.

Durchschnittstiefe: 45 Meter
Maximale Tiefe: 60 Meter
Sichtweite: 30 Meter
Wassertemperatur: 27 Grad in der Trockenzeit (unser Winter) / 29 Grad in der Regenzeit (Winter)
Highlights: Riesiges, gut erhaltene Schiffswrack, Nudibranch, Rotfeuerbarsch
Entfernung: Keine 5 Minuten Fahrtzeit vom Hafen in Saint-Pierre

La Citadelle in Le Prêcheur

Martinique Citadelle (c) Anja Knorr
Gegenüber dem Dorf Le Prêcheur ein paar Kilometer nördlich von Saint-Pierre liegt ein anderer absoluter Hotspots für Taucher, besonders für solche, die farbenfrohe Korallen und Fische sehen wollen.

Bei der Citadelle handelt es sich um ein Korallen-Plateau, das aussieht wie ein riesiger Unterwassergarten. Papageienfische, Königsfische, Hummer und Schildkröten cruisten durch das Wasser. Die Felsen sind über und über mit farbenfrohen Schwämmen und Gorgonien bedeckt. Ein schöner Tauchgang, der die Vielfalt der vulkanischen Natur zeigt und wie überaus nahrhaft vulkanische Gesteinsbrocken sind.

Albert Falco Martinique (c) Anja Knorr

Außerdem ist in der Citadelle eine Plakette am Meeresboden angebracht, auf der Albert Falco mit den Worten „Seefahrer. Taucher. Kapitän mit großem Herz. Leidenschaft für das Meer“ geehrt wird.

Der französische Taucher und Forscher arbeitete fast vierzig Jahre mit Jacques-Yves Cousteau zusammen und war Kapitän der Calypso. In Michel Métérys Buch „Tamaya“ schreibt Albert Falco das Vorwort über die Schiffswracks von Saint-Pierre und seine Männerfreundschaft zu Météry.

Durchschnittstiefe: 18 Meter
Maximale Tiefe: 25 Meter
Sichtweite: 30 Meter
Wassertemperatur: 27 Grad in der Trockenzeit (unser Winter) / 29 Grad in der Regenzeit (Winter)
Highlights: Riesige Korallengärten und Gorgonien, Barrakuda, Rotfeuerbarsche, Schildkröten, Albert Falco-Gedenktafel
Entfernung: Rund 30 Minuten Fahrtzeit vom Hafen in Saint-Pierre, 100 Meter von Prêcheur

Tauchen Martinique – Preis pro Tauchgang

45 € inklusive Equipment mit Surcouf Dive. Der Eigentümer ist Olivier Leblanc. Der gute Mann hat nicht einmal eine Internetseite und ist nur telefonisch erreichbar unter 0033 696 84 9345. Er spricht gutes Englisch, aber unternimmt die Tauchgänge nur sporadisch und auf Anfrage.

*Offenlegung: Auf dieser Reise wurde ich freundlicherweise von Martinique Tourisme unterstützt. Vielen Dank.

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