Uruguay Wetter: Backpacker sollten während ihrer Reise auf ihre Sicherheit achten, sich aber nicht von Unwettern und Überschwemmungen abschrecken lassen.

Meine Backpacking-Reise durch Uruguay ist zwar schon eine Weile her, aber die Erlebnisse der größten Überschwemmungen in der Geschichte des Landes sind immer noch sehr präsent: Ich versuchte, vor lauter Regen mir keine Schwimmhaut zwischen den Fingern wachsen zu lassen. Die Massen an Wasser, die täglich fielen, waren unglaublich. An manchen Tagen strahlte die Sonne, an anderen dagegen sah es aus wie am Nordpol in der Winterzeit: Es wurde den ganzen Tag nicht hell, kalter Wind peitschte an die Fenster und ganze Landstriche waren überflutet.

Niemand im kleinen Dörfchen Atlantída konnte sich daran erinnern, jemals solche Wassermassen gesehen zu haben und auch Susana, meine charmante Gastgeberin während meines Spanischkurses, bestätigte, dass sie in ihren sechzig Jahren noch nie so viel Regen in ihrer Heimatstadt erlebt hätte.

Wir redeten lange über den Klimawandel und seinen Konsequenzen. Gerne hätte ich mich noch intensiver mit ihr darüber unterhalten, aber leider reichten meine Spanischkenntnisse nicht dafür aus. Doch manches musste auch nicht gesagt werden, ich spürte auch so die stille Verzweiflung der Menschen.

Uruguay Wetter

Straße Loch Uruguay (c) Anja Knorr

Der Garten meines Spanisch-Lehrers Juan stand komplett unter Wasser, und das Wasser konnte nicht ablaufen. Immer wieder stand er während unseres Unterrichts auf und schaute gedankenverloren aus dem Fenster. Als der Regen auch nach Stunden noch nicht aufhörte und sich das Wasser langsam seinen Weg in sein Haus bahnte, rief er endlich einen Handwerker an, um den Garten abpumpen zu lassen. Doch zu spät, der Handwerker war die nächsten vier Tage komplett ausgebucht und wäre erst am folgenden Dienstag verfügbar. Wie es weitergehen würde, war unklar.

Garten unter Wasser (c) Anja Knorr

Auf der großen Strandpromenade, die einer der wenigen Hauptverbindungen nach Atlantída und Montevideo darstellt, klaffte über ein Nacht ein riesiges Loch. Die Straße wurde einfach vom Regen weggespült. Notdürftig abgesichert mit gelbem Plastikband, war das Loch die Sensation in ganz Uruguay und zahlreiche Menschen strömten zur aufgeschwemmten Straße, um sich das Spektakel anzusehen. Versuche, den weiteren Verfall der Promenade aufzuhalten oder das Loch zu stopfen, sah ich tagelang keine. Wozu auch, es regnete ja ohnehin weiter, war die lapidare Antwort.

Ich war echt unentspannt geworden dachte ich mir, als ich darüber nur den Kopf schütteln konnte. Immerhin wurde die Situation vom Rumstehen und Abwarten auch nicht besser. Die südamerikanische Gelassenheit, die immer so bewundert hatte, schmerzte mich auf einmal. Ich fragte Juan, warum die Leute nicht aktiv wurden und anfingen, ihre Häuser zu schützen. „Nur keine Panik, alles zu seiner Zeit,“ war die lakinosche Antwortet. Seelenruhig bot er mir einen weiteren Mate-Tee an.

Straßenverwüstung Uruguay (c) Anja Knorr

Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und in Notunterkünfte umsiedeln. Ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen – in einem Land, in dem es keine große staatliche Unterstützung wie in Deutschland gibt und viele unter dem Existenzminimum leben, eine Bankrotterklärung und schwer zu verkraften. Niemand stellte Sandsäcke zur Verfügung oder baute Barrikaden auf. Überall sah ich nur apathisches Beobachten und Hoffen. Hoffen, dass der Regen endlich aufhört. Hoffen, dass es ihr Haus nicht betreffen und alles gut werden würde.

Ich war mir nicht sicher, ob ich die Uruguayos für ihre stoische Gelassenheit in schwierigen Zeiten bewundern oder sie am Kragen packen und mehr Aktivität aus ihnen herausschütteln sollte, aber wir haben wohl alle unsere eigene Art der Katastrophenbewältigung.