Die ersten Wochen meines PADI Divemaster Trainings in Tofo waren überwältigend: Täglich überlegte ich, einfach alles hinzuschmeißen und einen richtigen Urlaub zu machen anstatt bei 35 Grad im Schatten schwere Tauchausrüstung durch die Gegend zu schleppen und mit Zwanzigjährigen so zu tun als könnte ich nochmal ganz von vorn anfangen. Trotzdem hielt mich etwas zurück und wollte kämpfen. Schließlich haben schon so viele vor mir ein Divemaster Training geschafft. Warum sollte ich das nicht auch, schließlich kann man überall tauchen, wenn man in Tofo getaucht ist.

Gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft startete ich meinen EFR – das ist eine Abkürzung für den Emergency First Response Kurse – und Rescue Diver Kurs bei PERI PERI Divers in Tofo und fühlte mich an die ersten Tage bei einem neuen Job erinnert. Du kennst niemanden und hast das Gefühl, dass du niemals alles lernen wirst. Resigniert war ich davon überzeugt, dass mein Chef mich jeden Tag rausschmeißen würde. Ich konnte mir nichts merken, fand die rauen Bedingungen im Meer vor Tofo mehr als herrausfordernd und meine Muskeln schmerzten an Stellen, an denen ich keine Muskeln vermutet hatte.

Eine Ausbildung als Divemaster ist kein Zuckerschlecken und vom ersten Tag wurde erwartet, dass ich ordentlich mit anpacke: Tanks schleppen, Equipment vorbereiten, Kunden empfangen, das Auto und später das Boot beladen und das Boot dann auch mit eigener Kraft aufs Meer zu ziehen.

Ziemlich schnell bekam ich mit, dass die nächsten drei Monate anstrengender und intensiver werden würden als ich gedacht hatte. Ein bisschen Recherche in Vorfeld hätten mir sicher gut getan. Aber ich wollte unbedingt einfach weg aus Deutschland und endlich am Meer leben und etwas Sinnvolles mit meinem Leben anstellen. Jeden Abend fiel ich gegen 20 Uhr erschöpft ins Bett, nachdem ich den ganzen Tag entweder auf einem Boot, im Tauchshop oder beim Studieren der Theorie verbracht hatten.

Ich googelte sogar, ob es möglich ist, die Ausbildung nicht zu bestehen. Der PADI Divemaster Kurs war einfach mörderhart. Es gab viel zu lernen und die lange Liste an Skills schüchterte mich mächtig ein. Trotzdem war ich fokussiert, meine Ausbildung unbedingt durchzuziehen. Schließlich hatte ich jahrelang davon geträumt, meinen Divemaster in Mosambik zu machen.

Divemaster

Was mir half war das PERI PERI Team um Steve und Martina Counsel, einem englisch-slowakischen Paar, das den Tauchshop mit viel Leidenschaft und Enthusiasmus leitet. Während meines ersten Monats in Tofo befand sich Steve im Urlaub, und die anderen im Tauchshop feilten kräftig an der Legendenbildung. “Wenn Steve wieder da ist, dann kannst du dir nicht leisten, morgens zu spät zu kommen,” und “Steve kann vier Zylinder auf einmal tragen,” wurde mir ehrfurchtsvoll zugeflüstert. Ich stellte mir einen gigantischen grünen Hulk vor, der mir lange vor dem Kennenlernen Angst machte.
Divemaster
Als Steve schließlich aus seinem wohlverdienten Urlaub zurück kam, war ich positiv überrascht. Ein riesiger englischer Fußball-Hooligan mit dem Herz am richtigen Fleck, der von seiner Frau Martinia ordentlich in Schach gehalten wird. Er kümmerte sich fürsorglich um sein wundervolles Team, und die Tauchlehrer, Divemaster und Skipper blickten fast väterlich auf ihn hoch. Diese familiäre Atmosphäre fühlte sich richtig an und meine anfänglichen Startschwierigkeiten waren im Nu vergessen.

Die unglaubliche Megafauna im Indischen Ozean vor Tofo taten ihr Übriges: Fast täglich schauen Walhaie, Mantas, Buckelwale, Delfine und Schildkröten in Tofo vorbei und versetzten selbst langjährige Taucher in Verzücken.

Ich verliebte mich in die dörfliche Atmosphäre Tofos, wo jeder jeder kennt und man sich jeden Tag mehrmals über den Weg läuft und fühlte ein wohliges Gefühl von Zuhause, das ich selten in meinem Herzen verspüre.

Am Ende der ersten Woche hatte ich mehrmals das Leben meines deutschen Tauchlehrers Jan gerettet und bestand meinen EFR und Rescue Diver Kurs. Von da aus ging das Abenteuer erst richtig los.

 

Divemaster Theorie und Prüfungen

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Die Theorie eines Divemaster Kurses lässt sich in zwei Kategorien splitten: Kapitel 1 – 7 im Divemaster Manual sind eine Einführung in die Arbeit des Divemasters. Es geht darum, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein, um Sicherheit und Risikomanagement und es wird immer wieder betont, dass ich als Tauchlehrer bessere Chancen hätte, einen Job zu finden. Unter vorgehaltener Hand nennt man PADI auch “Put Another Dollar In”. 

Jedes Kapitel endet mit einer Knowledge Review, also einem kleinen Test, der dein Wissen aus dem vorangegangenen Kapitel abfragt. Danach ging ich das Kapitel mit meinem Tauchlehrer Jan durch, der mir besonders bei den Physikfragen noch mal alles von vorne erklären musste. Jan ist ein ruhiger Norddeutscher mit der typisch norddeutsch stoischen Ruhe und einer Engelsgeduld. Ohne ihn hätte ich es wahrscheinlich nie zum Divemaster geschafft.

Nach den ersten sieben Kapiteln musste ich einen Test bestehend aus 60 Multiple Choice Fragen schreiben. PADIs Trickfragen dabei liebte ich besonders. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wollen einen bewusst hinters Licht führen.

Kapitel acht und neun fragen zu technischen und physikalischen Umständen beim Tauchen ab. Hardcore für mich. Ich musste an meine Physiklehrerin Frau Maiwald aus der neunten Klasse denken, die mich einmal ihr “technisches Embryo” nannte. Physik aus Büchern in staubtrockenen und nie enden wollenden Sätzen erklärt, empfand ich immer sehr schwierig zu begreifen und beim PADI Divemaster Training stellte ich fest, dass sich bestimmte Dinge niemals ändern. Der arme Jan erklärte mir zig mal aufs Neue, wie sich der Druckausgleich unter Wasser auf den Körper auswirkt, was das Haldanean Model ist und wie man einen Zylinder wartet.

Ich bewunderte seine Geduld und Ausdauer. Norddeutsche sind eben aus einem anderen Holz geschnitzt.

 

Divemaster Training lehrt am Ball zu bleiben

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Ich bin aus einem bestimmten Grund nach Tofo gekommen: Ich wollte endlich mein altes Leben hinter mir lassen und herausfinden, was ich mit dem Rest davon anstellen will.

Ich hatte es leid, herumzudriften. Von einem Ort zum nächsten zu reisen, ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Ebenso hatte ich es aber auch leid, in Deutschland in grauen Büros mit noch graueren Chefs eintönige Routinearbeiten zu lösen, die sich anfühlten als würde ich nur meine Zeit absitzen. Ich wollte endlich einmal intensiv leben.

Ich habe schon so viel ausprobiert und irgendwann immer mehr Angst vor der eigenen Courage bekommen. Angst davor, dass ich zu viel will. Angst, dass es das, was ich suche, vielleicht gar nicht gibt. Angst, den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden. Angst, irgendwann einmal ganz allein und arm da zu stehen.

 

Alles ist möglich

Divemaster
Nach vier Monaten sind die Ängste kleiner und die Träume größer geworden. Ich habe wieder angefangen zu träumen. Mit fast 37. Angefangen, Dinge für möglich zu halten, die mein Herz schon lange unterdrückt hat. In den letzten Jahren war bei mir eher persönlicher und beruflicher Stillstand angesagt. Ich tat das, was man eben so erwartet von einer Frau Ende dreißig und war todunglücklich dabei. Wohnung, Karriere, Partnerschaft – das Übliche eben.

Jetzt lebe ich ein Leben im Einklang mit mir und öffne mich langsam wieder den Angeboten, die da draußen auf mich warten. Ich spüre jeden Tag den warmen Meereswind auf meiner Haut. Tauche mit der faszinierendsten Unterwasserwelt dieser Erde und arbeite in einem Team, dass mir die wahre Bedeutung von Teamgeist gezeigt hat.

So manches Mal musste ich schon an Steve Jobs und seine berühmte Rede vor Studenten auf einem Abschlussball denken, als er leidenschaftlich appellierte:

“Don’t stop looking. As with all matters with the heart, you know when you find it.”

Endlich macht seine Aussage Sinn und ich weiß, wo es für mich hingeht. Ich will in der Natur arbeiten, mit Menschen und viel Bewegung. Weg von grauen Büros und uninspirierten Menschen, die ihre Ängste auf andere überstülpen und damit ersticken.

Und das Divemaster Training hat mir das Selbstvertrauen zurückgegeben, dass ich lange gesucht habe: Alles ist möglich, mit einem Ziel vor Augen. Vielen Dank PERI PERI und Tofo.

Und nein Leute, ich wurde nicht gesponsert oder sonst irgendwas.

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