Madeira ist ein Eldorado für Aktivurlauber und Adrenalinjunkies: Beim Canyoning, Abseilen, Klettern und Rutschen durch unglaubliche Felswände zeigt die kleine Atlantikinsel ihre ursprüngliche Seite. Eine Geschichte über Höhenangst und die Wichtigkeit eines guten Gesprächs. Hier erfährst du übrigens noch mehr Tipps zu Madeira.

„Wer stehen bleibt, der stirbt, “ lachte mir Han entgegen und meinte damit mehr seine Lebensphilosophie als meine vorsichtigen Anspielungen auf meine Höhenangst. Als sich sein alter Landrover langsam den steilen Berg hinauf quälte, erzählte mir Han über Madeira und seine Adventure-Firma. „Lokoloko“ wurde im Jahr 2010 gegründet und bietet jede Menge Outdoraktivitäten wie Mountain BIking, Kajaken, SUPen, Windsurfen und eben Canyoning an. Der gutaussehende Holländer ist ein lebenslustiger Weltenbummler, der alle paar Jahre die Segel neu setzt: Canyoning-Guide in Frankreich, Ausbilder in Spanien, nun eben Madeira. Ein Hansdampf in allen Gassen, dessen Leidenschaft für die Berge ihn jedes Mal angetrieben hatte.

Ich schaute aus dem Fenster und sah grünbewachsene Berge und dramatischen Klippen an mir vorbeiziehen. Üppige Farne, grünes Moos und bunte Blumen soweit das Auge reicht. Hohe Luftfeuchtigkeit und ein mildes Klima sorgen dafür, dass Madeira einem tropischen Paradies gleicht, das wir sonst aus Südostasien kennen.

Mir fiel auf, dass wir bereits seit längerem keine anderen Autos gesehen hatten und auch als wir dem Auto ausstiegen, um uns in mehrere Lagen Neopren einzupacken, herrschte in der nebligen Mitte Madeiras eine wohltuende Ruhe. Han erklärte, dass mehr als die Hälfte der Madeirer in Funchal leben und sich dort auch der Tourismus zentrieren würde. Ganz in der Natur angekommen, sog ich die einsame Stille der Natur in mich auf. Das Klima war rauer, wilder und ursprünglicher als an der Küste. Moosbewachsene Felsen, grüne Farne, Baumheiden und Lorbeerbäume tauchten die Landschaft in eine einzigartige Märchenlandschaft, in der jeden Moment ein Hobbit aus dem Dickicht springen könnte.

Uralte Lorbeerwälder auf Madeira

Madeira Canyoning
Han drückte mir einen vollgepackten Rucksack in die Hand und bedeutete mir, dass wir endlich losmarschieren würden. Es ging in den Lorbeerwald von Ribeiro Frio an der Nordseite der Insel. Ich erfuhr, dass Madeira mit einer Fläche von 15.000 Hektar den größten Laurazeen-Lorbeerwald der Welt besitzt. Die Lorbeerwälder bedeckten vor ungefähr 20 Millionen Jahren weite Flächen Südeuropas. Heute findet man diesen Wald nur noch in der Region Makaronesiens vor, welche die Inselgruppen der Azoren, Madeira, die Kanarischen und Kapverdischen Inseln einschließt.

Han verwickelte mich die gesamte Zeit über in ein interessantes Gespräch über Madeiras Geschichte und seine vergangenen Abenteuer, und als er mir den Karabiner ans Seil schraubte und andeutete, dass ich mich an einer Schlucht abseilen sollte, tat ich wie geheißen ohne weiter zu überlegen. Erst als ich an der Schlucht hing, erinnerte mich mein Gehirn daran, dass ich eigentlich an Höhenangst leide und gerade frei über einem Berg hing. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Der schwindelerregende Sturzbach befand sich zwischen meinen Beinen und wieder hoch zu Han klettern war keine Option. Mutig ließ ich mich Fuß auf Fuß den Felsen herab, um am Ende in den kalten Bergsee zu gleiten.

Abseiling und Canyoning Madeira

Madeira Canyoning
Der Name des Canyons Ribeiro Frio machte seinem Namen alle Ehre: Ribeiro Frio heißt kalter Fluss und bei zehn Grad Wassertemperatur Anfang April hilft auch kein noch so dicker Neoprenanzug. So schnell wie möglich und wild zuckend paddelte durchs Wasser und schüttelte mir anschließend wie ein nasser Pudel das Wasser ab. Han kam pfeifend hinterher und schien sich nicht im Geringsten zu stören. Profi eben.

Wir ließen uns noch vier Mal die steilen Klippen hinunter und sprangen sogar mehrmals in kalte Becken. Ehrlich gesagt sprang nur Han und zwar kopfüber. Ich ließ mich auf dem Hintern rutschenmäßig an einem Seitengang hinunter und schlidderte die letzten zwei Meter laut schreiend ins kalte Nass. Wie sagte doch einmal jemand nach meiner Sendung auf Kabel 1? Ich sei ein Körperklaus mit der Körperspannung einer Schwimmnudel 😉

Die Landschaft berührte mich mit den grünen Felsen und kristallhellen Wasser. Strahlender Sonnenschein erhellte die Schlucht und erleuchtete sie in den unterschiedlichsten Farben. Dabei entdeckten wir Stellen, die für andere Aktivurlauber auf Madeira unerreichbar bleiben.

Aliens unter sich

Madeira Canyoning
Nach dem letzten Abseilen entstiegen wir klitschnass einem kleinen Bergsee und ließen uns von zwei erstaunten Wanderern wie Außerirdische inspizieren. In dicke Jacken eingepackt, wanderten sie die Wasserläufe auf Madeira ab. Wir grüßten uns unter Sportlern, doch es war klar, dass sie sich nicht vorstellen konnten, bei den Temperaturen freiwillig ins Wasser zu gehen. Als geborene Frostbeule und selbsterklärte Sonnenanbeterin war ich ganz schön stolz auf mich, dass ich nicht zu sehr gejammert und gezittert hatte.

Der letzte Anstieg hinauf zum Auto, der uns rund zwanzig Minuten einen Berg hinaufführte, tat sein übriges, um mich wieder aufzuwärmen. Unser Wanderweg führte neben einer sogenannten Levada entlang. Vor langer Zeit legten die Inselbewohner die künstlichen Bewässerungskanäle auf Madeira an, um Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden zu leiten. Noch heutzutage laden Wanderwege neben den Levadas zu tollen Wanderungen ein.

Madeiras Adrenalinjunkies aufgepasst

Madeira Canyoning
Ich gehe gerne an meine Grenzen und eingepackt in einen dicken Neoprenanzug seilte ich mich an tiefen Schluchten herab, vorbei an Wasserfällen und scharfen Felsen. Ich überwand meinen inneren Schweinehund und sprang von Klippen in kalte Seen und watete knietief durch Flüsse. Der absolute Adrenalinkick in der wunderschönen Natur der einsamen Bergwelt. Und trotzdem war es mir kaum bewusst, weil Han die gesamte Tour über immer wieder lustige Anekdoten auf einem deutsch-holländischen Kauderwelsch auspackte, und ich mich auf seine Geschichte konzentrieren musste. Vielen Dank Lokoloko.

Die besten Orte zum Madeira Canyoning

✓ Ribeiro Frio liegt mitten in einem Lorbeerwald und führt von rund 1000 Meter ins Tal mit sechs Abseilungen, 20 Meter ist die längste.

✓ Ribeira das Cales für Anfänger liegt im Naturschutzpark Funchal.

✓ Dauer: halbtägig

✓ Tage: täglich, mindestens 2 Teilnehmer

✓ Mitzubringen: Badesachen und Handtuch

Lokoloko Madeira
Rua Baden Powell 9125 – 031 Caniço de Baixo
Tel.: +351 291 939 191/ +351 969 570 780

Hotel in Canico

Madeira Hotel Galomar
Lokoloko liegt direkt am Galo Resort Hotel, einem perfekten Ort zum Entspannen und Aufwärmen. Das Hotel verfügt über eine riesige Wellness-Oase mit einem Ayurveda-Heilzentrum und zwei Saunen, die das Meer überblicken. Dort herrschen deutsche Regeln, dass heißt es wird nackt sauniert. Nach dem Madeira Canyoning konnte ich es kaum erwarten, meine kalten Glieder in der Sauna aufzuwärmen.

Außerdem befindet sich das Galo Resort auf dem neuesten Stand, was Nachhaltigkeit betrifft – mit zahlreichen Initiativen, wie etwa solargetriebene Fahrstühle. Auch untersützt man mit seinem Aufenthalt diverse gemeinnützige Projekte auf Madeira.

Ziemlich coole Sache oder?

*Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Lokoloko und Visit Madeira. Vielen Dank dafür!

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