Viel Reisen mit wenig Geld – wie soll das gehen? Mein heutiger Gastblogger Mike Lippoldt hat mir exklusiv einige Tipps für eine günstige Reise um die Welt gegeben. Er ist ein alter Hase im Reisegeschäft, seitdem er im Alter von 28 Jahren mit dem Fahrrad nach Spanien auswanderte. Mike kennt die Tricks, wie du auf Reisen günstig durch die Welt kommst.

Als ich gemeinsam mit meinem Kumpel mit nur wenigen Euro in der Tasche loszog, um durch Europa zu reisen, glaubten nur die wenigsten daran, dass wir länger als einige Wochen unterwegs sein würden. Was die anderen dachten interessierte uns jedoch wenig. Denn wir selbst waren davon überzeugt, dass der Faktor Geld überbewertet wird.

Mit geringsten Ressourcen reisten wir 8 Monate durch 5 verschiedene Länder (Deutschland nicht mit eingerechnet). Im folgenden Beitrag nenne ich dir einige Tipps, wie auch du sehr günstig reisen kannst.

Der Faktor Geld wird überbewertet

Sicher kennst du in deinem Bekanntenkreis auch Leute, die gerne darüber reden, was sie tun würden, wenn sie viel Geld in Verbindung mit viel Freizeit hätten. Nicht wenige machen die Verwirklichung ihrer Träume von einem Lottogewinn abhängig. Sie meinen, wenn sie im Lotto gewinnen würden, dann würden sie sich die Welt ansehen. Dann würden sie endlich das tun, was sie schon immer tun wollten… Ähm… ja, aber was ist das eigentlich? Was wollten sie eigentlich schon immer tun?

Tatsache ist, dass viele Menschen nicht genau wissen, was sie eigentlich tun würden, wenn sie auf einmal viel Geld und viel Freizeit hätten.

Tatsache ist auch, dass die meisten Menschen die tatsächlich im Lotto gewinnen, dieses Geld genauso schnell wieder ausgeben wie sie es gewinnen. Wer nie viel Geld in der Hand hatte, der hat auch Schwierigkeiten einen angemessenen Umgang damit zu finden – wenn er denn unvorhergesehen in den Genuss einer großen Summe gelangen sollte.

Es kommt also nicht wirklich auf das Geld an, was du jetzt hast oder irgendwann haben wirst. Es kommt auch nicht auf die Anzahl deiner Urlaubstage an, die dir dein Unternehmen einräumt. Es kommt einzig auf DEINE persönlichen Prioritäten an.

Willst du reisen und die Welt entdecken, dann wirst du es tun. Mit oder ohne Geld. Willst du warten, bis du Rente bekommst, weil du dann Geld und Zeit hast, dann wirst du auch nach deiner Pensionierung Ausreden finden, die dich davon abhalten in die bunte Vielfalt dieser Welt einzutauchen.

Wenn du zu den Abenteurern, Entdeckern und Optimisten oder vielleicht auch zu den Naiven (so einer war ich glücklicherweise auch) gehörst, dann ist Geld das geringste Problem für dich.

Wenn du zu den Zweiflern, Zögerern, Zauderern und WennichimLottogewinnenwürdedannwürdeich-Leuten gehörst, dann wirst du dir die passenden Ausreden zurecht legen, den Fernseher anschalten und dir die Welt durch die Glotze ansehen.

#1 Zuerst schuldenfrei


Jedesmal bevor ich auf mehrmonatige Tour ging, erledigte ich penibel alle Angelegenheiten zuhause. Ich ging sogar soweit, dass ich mich zwei Mal direkt abmeldete und meinen Ausweis abgab um dann nur noch mit meinem Reisepass unterwegs zu sein. So weit musst du natürlich nicht gehen. Jedoch solltest du keine offenen Rechnungen oder Schulden zurücklassen.

Wenn du über irgendein Business genügend Geld verdienst, um laufende Kosten problemlos decken zu können, dann darfst du natürlich auch Hypotheken haben. Falls du jedoch nur geringe Ressourcen und keine zuverlässigen laufenden Einkünfte hast, dann tilge vor Reiseantritt besser all deine Schulden. Denn nur so kannst du ohne Bauchschmerzen auch längere Auszeiten ins Auge fassen. Womit wir auch schon bei Punkt #2 wären.

#2 Wähle ein günstiges Reiseland

Grössere Reisen plante ich stets mit offenem Ende. Die Enden waren so offen, dass ich mit 28 sogar einfach im Reiseland blieb und heute immer noch hier lebe. Wenn du dich wie ich nicht durch den Faktor Zeit einengen lassen willst, dann plane die Reisezeit grosszügig.

Wenn du sehr günstig reisen willst, dann wähle ausserdem ein günstiges Reiseland. Mit günstiges Reiseland meine ich übrigens nicht Thailand oder Vietnam. Denn du kannst auch in Europa sehr günstig Reisen. Wenn du nicht so weit verreist, sparst du ausserdem das Geld für den Flug.

Zwei Wochen Kuba sind natürlich auch OK. Jedoch ist Kuba ein recht teures Reiseland und in diesem Beitrag geht es ja um besonders kostengünstiges Reisen. Wenn du also lange unterwegs sein willst. Und das mit geringsten Ressourcen. Dann suche dir ein günstiges Reiseland und plane mit offenem Ende.

#3 Festlegung eines minimalen Tagesbudget

Wenn du nur 5 Euro am Tag zur Verfügung hast, aber lange unterwegs sein willst, dann wirst du alles daran setzen, innerhalb dieses geringen Tagesbudgets von 5 Euro zu bleiben.

Selbst in Europa kannst du mit dem Budget leben. Ich bin sogar mit weniger ausgekommen. Wenn du richtig wirtschaftest, dann werden dir die 5 Euro sogar viel vorkommen und du wirst bald mit noch weniger auskommen und den Rest des nicht benötigten Tagesbudget zurücklegen, um noch länger unterwegs sein zu können.

Ein Rechenbeispiel:

  1. Nimm all dein Geld zusammen, was du für eine Reise ausgeben kannst
  2. Teile den Wert durch eine beliebige Reisezeit
  3. Nun weisst du, wieviel Geld an Tagesbudget du für welchen Zeitraum zur Verfügung hast

Z.B.: 1000 Euro (Reisegeld) ÷ 30 Tage (Reisezeit) = 33,33 Euro Tagesbudget

Im Vergleich zu den zuvor veranschlagten 5 Euro sind die 33 Euro ein Heidengeld. Wenn du tatsächlich sehr lange unterwegs sein möchtest und dafür etwas weniger Reiseluxus in Kauf nimmst, könntest du mit den 1000 Euro 200 Tage unterwegs sein.

So planst du übrigens deine Weltreise.

#4 Möglichkeiten der kostenlosen Fortbewegung


Einige völlig kostenlose Fortbewegungsmittel sind Trampen, mit dem Fahrrad oder einfach Laufen. Ich trampte in vielen Okkasionen quer durch Europa. Frankreich ist ein sehr Tramper-freundliches Land. Die knapp 1000 Kilometer von Basel bis nach Mont de Marsan in Südfrankreich schaffte ich einmal in weniger als 17 Stunden. Spanien hingegen ist die Tramperhölle. Hier geht oft garnichts.

Trampen ist nicht jedermanns Sache und Frauen die alleine reisen möchte ich das auch nicht empfehlen. Im Paar kann das jedoch gut funktionieren. Jeder kennt den alten Trick, wo das Mädchen den Finger zum Trampen rausstreckt und wenn der Fahrer dann hält, kommt der Freund mit den Rucksäcken aus dem Gebüsch. Das kann klappen oder auch nicht. Auf jeden Fall ist es zu zweit sicherer als alleine.

Eine sehr gute und sportliche Möglichkeit des kostenlosen Reisen ist das Fahrrad. Ich bereiste Frankreich, Portugal, England, Belgien, Spanien und Holland mit dem Fahrrad. Wenn du meinst, dass das viel ist, dann sieh dir an was der Spanier Álvaro Neil alias Biciclown erreicht hat. Er bereiste die ganze Welt mit dem Fahrrad.

Eine nicht ganz kostenlose aber sehr günstige Möglichkeit der Fortbewegung bieten Mitfahrgelegenheiten, wie man sie bspw. auf Plattformen wie BlaBlaCar organisieren kann.

Nicht zuletzt gibt es auch noch einige nicht ganz korrekte Möglichkeiten des kostengünstigen Reisens:

✓ Kaufe eine Fahrkarte bis zur nächsten Station und stelle dich dann schlafend. Wenn der Schaffner kommt, tust du ganz überrascht. Du hast einfach deine Station verschlafen und verlässt nun gerne das Abteil.

Ein Tramper erklärte mir mal folgenden Trick für kostenloses Zugfahren durch Frankreich:

✓ Dieser Trick funktioniert besonders gut auf weiten Strecken. Du steigst z.B. in Südfrankreich in den Langstreckenzug bis Paris. Dann gehst du direkt zum Schaffner und bittest ihn, dass er deine Personalien für einen Strafzettel aufnimmt. Du kannst nun kostenlos bis Paris im Zug sitzen bleiben. Rein theoretisch würde dann irgendwann ein Strafzettel zu deiner Adresse in Deutschland geschickt.

Auf diese Weise bin ich tatsächlich zwei Mal kostenlos durch Frankreich gereist. Die französischen Behörden sind zu faul, die Strafzettel bis nach Deutschland zu schicken. Bei mir kam jedenfalls nie etwas an.

#5 Reisen mit wenig Geld: Gratis übernachten

Draussen zu übernachten ist die günstigste Alternative, weil es komplett kostenlos ist. Du brauchst nur einen Schlafsack und eine Isomatte. Du benötigst nicht einmal ein Zelt. Ich schlief auf vielen Reisen draussen. Das Zelt baute ich nur in sehr seltenen Fällen auf. Und zwar nicht wegen dem Regen sondern vielmehr wegen Kleintieren, Schlangen, etc.

Selbst in Städten kannst du draussen schlafen. Meide jedoch Parks. Suche dir lieber eine ruhige Ecke an Stellen, wo dich niemand vermutet, wie in bewaldeten Abschnitten rund um Burganlagen, etwas ausserhalb einige Meter vom Strassenrand entfernt o.Ä.

Wenn du eine Wohnung bevorzugst, kannst du über Couchsurfing kostenlos unterkommen. Und das sogar weltweit.

#6 So isst und trinkst du umsonst

Trinkwasser ist in Europa überall umsonst. In Asien oder in der Karibik solltest du jedoch kein Wasser aus der Leitung trinken. Hier musst du das Wasser entweder in Form von Wasserflaschen kaufen oder du nimmst einen Outdoor Wasserfilter mit. Die Marke Sawyer hat hier sehr gute Modelle im Hosentaschenformat.

Essen ist meist nicht gratis aber muss auch nicht übermässig teuer sein. Wenn du überhaupt kein Geld mehr zur Verfügung hast, dann kannst du Mülltonnen vor Supermärkten nach Essbarem absuchen. Hier werden oft Nahrungsmittel entsorgt, deren Haltbarkeit abgelaufen ist, die aber trotzdem noch geniessbar sind.

Wenn du keine Lust hast in Müllcontainern zu wühlen, dann kannst du auch direkt das Personal fragen, ob sie überlagerte Lebensmittel abzugeben haben. Das funktioniert auch auf Lebensmittelmärkten, bei Bäckern, Obsthändlern, Fleischern, etc.

Verfügst du über deine 5 Euro Tagesbudget, dann musst du nicht in Mülltonnen suchen, sondern kannst dir köstliche Mahlzeiten nach eigenem Geschmack kreieren. Für unter einen Euro bekommst du 1 kg Mehl. Hieraus kannst du eine ganze Woche lang Fladenbrot backen.

Es gab Zeiten, da buk ich jeden Morgen zum Frühstück mein Fladenbrot. Du brauchst nur einen Topf oder eine grosse Tasse, eine kleine Handvoll Mehl und Feinschmecker noch eine Prise Salz. Im Topf oder in der Tasse formst du einen Teig und bäckst daraus in wenigen Minuten ein oder mehrere Fladenbrote.

Gebacken wird in einer Pfanne oder über einem Blech oder heissen Stein über offenem Feuer oder Campinggas. Zum Backen wird übrigens kein Öl verwendet.

Ein Paket Kaffee bekommst du ebenfalls sehr günstig und es reicht sehr lange. Das gilt auch für Nudeln, Reis, Bohnen, Trockenmilch, etc. Frisches Gemüse und Obst kannst du günstig auf Wochenmärkten erlangen. Frage einfach nach altem Obst oder Gemüse welches weg muss. Das bekommst du entweder sehr preiswert oder sogar geschenkt.

Du siehst: Mit 5 Euro kann man sehr viel anstellen.

#7 Schätze, was du hast und vermisse nicht, was du nicht hast

Meine Freiheit war mir immer wichtiger als materielle Werte. Ich kann mich noch gut an einen Abend am Wegrand nahe San Sebastian in Nordspanien erinnern. Ich hatte gerade meine alte Wohnung in Deutschland aufgelöst, meinen Ausweis abgegeben und befand mich am Anfang einer Reise ohne genauen Reiseplan und mit offenem Ausgang.

Ich hatte nur wenige hundert Euro zur Verfügung, wusste aber aus vergangenen Reisen, dass der Faktor Geld tatsächlich überbewertet wird. Während über meinem Campingkocher die Suppe brodelte, ging am Horizont die Sonne unter. Für nichts in der Welt hätte ich diesen Augenblick eingetauscht.

Gönne dir Freiheit und schätze was du hast. Vermisse nicht, was du nicht hast. Materielle Werte verlieren mit der Zeit an Wert. Ein gelebter Augenblick jedoch ist unvergänglich.

Über den Autor


Nach mehrmonatigen Reisen durch Europa, Indien und Nepal wanderte Mike Lippoldt mit 28 mit dem Fahrrad nach Spanien aus. Über seine Abenteuer und seinen Neubeginn verfasste er das Buch „Ohne Geld in ein neues Leben“. Als selbständiger Unternehmer lebt er in Südspanien. Im Outdoor- und Reiseblog ousuca.com schreibt er über seine Lieblingsthemen Outdoor, Survival und Camping.

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