Kolumbien Fahrradtour: Die Kolumbianer lieben das Radfahren und sind absolut Radsport-verrückt. Hier lest ihr über meine Radtouren in den Bergen bei Bogota.

Dieser Mann ließ Fahrradfahren auf 3000 Meter hohen und vor allen Dingen steil bergauf gehenden Straßen aussehen als wäre es das Leichteste der Welt. In etwa so locker zu bewältigen wie in der Hängematte zu schaukeln und gelegentlich die Seite eines Buches umzublättern. Immer ein nettes Grinsen in seinem Gesicht und von Schwitzen oder Anstrengung keine Spur.

Ich wollte es zunächst nicht glauben, aber Teresas Freund José war den langen weiten Weg aus Bogotá mit dem Fahrrad in unser Dorf nahe La Calera gefahren, in dem ich zum Freiwilligendienst angetreten war. Das bedeutete eine zweistündige Radtour auf und ab quer durch steiles Hochgebirgsgelände.

Zur gleichen Zeit als wir aufstanden, gemütlich unser Frühstück genossen und dann langsam die Räder den Berg hinunterrollen ließen, hatte er bereits zwei Stunden Radfahren hinter sich. Er hätte „sich ein bisschen aufgewärmt“, wie José es bezeichnete. Das freundliche Grinsen schien dabei fest in sein Gesicht einbetoniert zu sein.

Radfahren Kolumbien (c) Anja Knorr

Ich fragte mich, ob der Mann jemals außer Atem ist oder auch danach aussehen könnte als bräuchte erst einmal eine Pause und zwei Wochen Schongang auf der Couch. „Oh nein, zweimal die Woche fahre ich die Strecke, um fit zu blieben“, blitze er mich an und allmählich begann er mir mit seiner guten Laune, Gesundheit und seiner Ausdauer auf die Nerven zu gehen.

Ich pfiff aus dem letzten Loch und mühte mich eine halbe Stunde einen lächerlich kleinen Berg hinauf, während er wie ein griechischer Gott schon strahlend auf uns wartete. Hatte José einen Trick drauf? War er der Igel und ich der Hase, und ich übersah nur ein wichtiges Detail?

Radsport-verrücktes Kolumbien

Guatavita Kolumbien (c) Anja Knorr
Nein, es war viel einfacher als das: Der Mann war einfach unglaublich fit und seit Kindheitstagen an die dünne Höhenluft gewöhnt. So wie scheinbar alle Kolumbianer. Ich hatte ja keine Ahnung:

Kolumbien ist Fahrrad-verrückt und sie tun es überall und ständig. Es gibt sogar eine richtige Fahrradkultur. Es werden regelmäßig Großveranstaltungen organisiert wie das Straßenradrennen Vuelta a Colombia, zahlreiche kolumbianische Radsportteams feiern internationale Erfolge und sind sogar bei der Tour de France überaus erfolgreich.

Kolumbien Radfahren (c) Anja Knorr

In ganz Kolumbien sieht man sie in leuchtenden Trikots und gepolsterten Radlerhosen die Berge hinauf flitzen und in Bogotá selber wird an jedem Feier- und Sonntag die Ciclovía veranstaltet. Dabei werden von sieben bis vierzehn Uhr rund 120 Kilometer des Straßennetzes vom Autoverkehr gesperrt und für Radfahrer und Fußgänger freigemacht. Nicht einmal skandinavische Städte können da mithalten.

Als begeisterte Radfahrerin im flachen Berlin, war mein Ehrgeiz jedenfalls geweckt. Wenn ich mich nur lange genug an die Höhenluft gewöhnte, dann würde ich in ein paar Wochen ebenso fit wie José die steilen Hänge hochkraxeln.

Kolumbien Fahrradtour

Ich betrachtete die Radtouren in den Bergen sozusagen als Höhentraining. Zu dritt fuhren wir stundenlang die Straßen entlang und kamen an so ungewöhnlichen Orten wie der Salzkirche in Zipaquirá vorbei.

Die Salzkirche in Zipaquirá

Salzkirche Kolumbien (c) Anja Knorr
Die Salzkathedrale gehört zu den größten religiösen Bauwerken der Welt und liegt komplett untertage in einer ehemaligen Salzmine.

Alle Relikte im Innern der Höhlenkirche wie die monumentalen Kreuze und Madonnenstatuen sind aus Salzkristall gemeißelt und der komplette Passionsweg kann in vierzehn Stationen, die alle durch einen labyrinthähnlichen Tunnel miteinander verbunden sind, abgegangen werden.

Beschämt fiel mir wieder einmal auf, dass ich mich mit dem Leidensweg Jesus Christus nicht gut auskenne und musste mir die vielen Symbole von unserem Begleiter erklären lassen. Eine fromme Christin wird aus mir in diesem Leben wohl auch nicht mehr.

Legendenbildung in charmanten Kolonialstädten

Guatavita Kolumbien (c) Anja Knorr
Ein anderer interessanter Ausflug war Guatavita, einem schönen Dorf nahe des Guatavita-Sees, der zu den verehrten heiligen Seen des Indianervolkes Muiscas gehört. Dort spinnt man auch kräftig an der Eldorado-Sage, dem sagenhaften Goldland Südamerikas. In dem See soll sich massenhaft Gold befinden und unzählige spanische Eroberer suchten in der Vergangenheit vergeblich nach dem vermeintlichen Schatz. Er soll sogar der Grund gewesen sein, warum die spanischen Konquistadoren das Land erobern wollten.

Guatavita See Kolumbien (c) Anja Knorr

Der Legende nach ließen die Ureinwohner den Körper ihrer neuen Häuptlinge komplett mit Gold einreiben und fuhren mit diesen und unzähligen, wertvollen Opfergaben auf den See hinaus. Dort wurden die Opfergaben in den See geworfen und der Häuptling musste ins Wasser springen. Der Goldstaub an seinem Körper sank auf den Grund und ein neuer Häuptling war geboren. Daher besagt die Legende, dass auf dem schlammigen Grund des Sees die unheimlich wertvollen Schätze des Muicsa-Volkes liegen müssen. Die spanischen Eroberer gingen sogar so weit, den See trocken legen lassen zu wollen.

Ein Plan, der sich Gott sei Dank als zu teuer herausgestellt hatte. Bleibt zu hoffen, dass die Politiker und Wirtschaftsbosse des heutigen Kolumbiens nicht auf diese absurde Idee kommen.

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