Backpacking versus Flashpacking: Kann man für das Backpacken auch zu alt werden? Was ist das und warum muss ich mich jetzt auch als Reisender in eine Schublade stecken lassen? Schubladendenken ist mir ein Graus, und du musst dich nicht mit irgendeinem Modebegriff labeln lassen, aber wenn es dich schon immer mal interessiert hat, ob du mehr ein Backpacker oder Flashpacker bist, dann schaffen meine Definitionen Klarheit.

Sie sind laut, anhänglich, immer auf der Suche nach der coolsten Party und dem schönsten Hotspot. Die letzte Dusche liegt schon ein paar Tage zurück und Feilschen ist bereits nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen. Ihre Fähigkeit, selbst in dem lautesten Hostel zwischen stinkigen Socken, zehn schnarchenden Kerlen und einer Horde feierwütiger Briten wie ein Baby zu schlafen ist beeindruckend.

Die Rede ist vom Klischee-Backpacker.

Ich war jahrelang einer von ihnen und hätte mir nie vorstellen können, dass sich das jemals ändern würde. Schließlich war ich zwanzig und hatte die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Irgendwann bekam ich kein Auge mehr zu bei lauter Musik, Türknallen, mitternächtlichen Kämpfen um den Lichtschalter und knisternden Plastiktüten. Ich fragte mich, ob etwas mehr Geld auszugeben mich wirklich an den Rand des Ruins treiben würde. Ich merkte, dass ein ruhiges Einzelzimmer nicht die Welt kostet und mein Magen sich auch mal über Feinschmeckerläden freut.

War ich mit Mitte dreißig etwa zu alt zum Backpacken? Müsste ich jetzt meinen Blog in happy_spießer umbenennen?

Prioritäten haben sich verschoben

Natürlich fand das nur in meinem Kopf statt. Weder bin ich zu alt fürs Backpacken noch übernachte ich in Luxushotels oder mache Pauschalurlaub in der DomRep. Meine Prioritäten haben sich nur verschoben.

Weit ab der ausgelatschten Touristenpfade suche ich nach wie vor außerordentliche Erfahrungen. Mache Roadtrips, gehe zelten, surfen, tauchen, klettern, paddeln – you name it.

Aber will nicht mehr an allen Ecken und Enden sparen und mir dreimal überlegen müssen, ob ich mir den coolen Tauchgang leiste oder nicht.

Was ist ein Backpacking Trip?

Backpacker Indonesien (c) Anja Knorr
Backpacker sind die klassischen Rucksacktouristen, die ohne viel Budget unterwegs sind. Noch bis in die 70er Jahre waren Flüge ziemlich teuer und eigentlich nur den Besser-Betuchten vorbehalten.

Irgendwann in den 50er und 60er Jahren hatten die ersten jungen Leute genug vom Alltagstrott daheim, wollten und konnten plötzlich die Welt entdecken. Per Anhalter oder in klapprigen VW-Bussen machten sie sich auf dem Hippie Trail auf das große unbekannte Abenteuer in Südostasien.

Bis heute legen Backpacker mehr Wert auf günstige Unterkünfte und Transportmittel als auf luxuriöse Hotels. Denn schließlich kann mit jedem gesparten Euro noch länger gereist werden.

Wenn es die Möglichkeit gibt, für einen Flug von Los Angeles nach Panama City nur 100 Euro zu bezahlen, auch wenn das bedeutet, dass du zweimal umsteigen musst und in Mexico City zwölf Stunden Aufenthalt hast, dann freuen sich Backpacker unglaublich über dieses Schnäppchen.

Auch wenn sie damit effektiv drei Tage unterwegs sind und in einem kalten Flughafenterminal übernachten müssen. Denn immerhin haben sie auf diese Weise genug Geld gespart, um noch einen weiteren Tag an ihren Trip anzuhängen.

Die Backpacking Checkliste

Rucksack: Der klassische Backpacker-Rucksack

Alter: Sehr jung, oftmals direkt nach der Schule oder Uni

Gadgets: Kamera und Handy. Der Rest wird oft daheim gelassen

Reisebudget: Minimal

Motto: „Gibt es das auch in billiger?“

Was ist ein Flashpacker?

Wald Entspannung (c) Anja Knorr
Flashpacker sind im Grunde genommen nichts anderes als Backpacker mit einem gewissen Kontostand.

Man könnte sie auch die Pussys der Backpacker nennen.

Das heißt jetzt nicht, dass ich im letzten Jahr in der Lotterie gewonnen hätte, aber ich verdiene mittlerweile ausreichend Geld, um nicht mehr jeden Cent dreimal umzudrehen, bevor ich ihn ausgebe. Wenn ich Lust habe, an einem geilen Ort Fallschirmspringen zu gehen, dann mach ich das einfach. Oder nehme mir das ruhige Einzelzimmer in einem lauschigen Hotel anstatt dem überfüllten Dorm, nur um fünf Euro zu sparen.

Und wenn ich einen Direktflug finde, der ein paar Euro teurer ist, dann nehme ich den, und hänge nicht mehr stundenlang in den Wartehallen dieser Welt herum. Diese Zeiten sind irgendwie vorbei, seitdem ich jenseits der 30 bin und immer wieder merke, dass mir mein Schlaf vor allem geht.

Trotzdem ist ein Flashpacker nach wie vor und vor allen Dingen ein Individualreisender.

Ein Getriebener vom Durst nach neuen Kulturen, Erfahrungen und neuen Eindrücken. Er bucht nicht plötzlich lange im Voraus geplante Touren und lässt alle Verantwortung für seine Reiserouten am Eingang eines Reisebusses beim Animateur, sondern will sich frei wie ein Vogel fühlen. Im Grunde genommen genauso wie ein Backpacker – nur eben mit einem größeren Geldbeutel.

Die Flashpacking Checkliste

Rucksack: Nein. Der Flashpacker reist mit Trolley oder Koffer. Obwohl ich immer noch einen Rucksack habe, den ich mit ein paar Handgriffen zum Trolley umbauen kann. Ein Trucksack sozusagen – für diejenigen unter uns, die sich nicht entscheiden können.

Gadgets: Reisen mit vielen Tech Gadgets wie Spiegelreflexkamera, GoPro, MacBooks etc

Alter: Jenseits der 30

Reisebudget: Geld spielt keine so große Rolle.

Motto: „Mein Schönheitsschlaf ist mir wichtig.“

Muss ich mich überhaupt in eine Schublade stecken lassen?

Backpacker Segeltörn Whitsunday Island (c) Anja Knorr
Wie so oft im Leben, kann alles und nichts muss. Die Grenzen zwischen dem Backpacking und Flashpacking sind fließend und es gibt keine Regeln.

Das ist ja das Tolle am Reisen und Freisein. Niemand ist je zu alt oder zu jung zum Reisen. Das ist alles eine Kopfsache. Und natürlich spielt die Gesundheit auch eine Rolle, daher ist es wichtig, keine Reise auf die lange Bank zu schieben.

Wenn du mit zwanzig Lust auf Luxus und Pauschalreise hast, dann mach das gefälligst. Und wenn dir mit fünfzig eher der Sinn danach steht so basic wie möglich durch die Pampa zu trampen, dann machst du eben das. Richtig ist, was sich gut anfühlt.

Und in mir regt sich auch nach über fünfzehn des Reisens ein unglaublich warmes Kribbeln in der Magengegend, wenn ich eine Reise plane und die ersten aufregenden Stunden in einer neuen, mir unbekannten Stadt verbringe.

Ob ich mich dabei als Backpacker, Flashpacker oder einfach Reisende benenne spielt letzten Endes keine Rolle.

Und meine Liebe zu Roadtrips und zum Zelten wird sich hoffentlich nie ändern, denn das ist für mich die einzig wahre Art zu reisen, um ganz nah draußen in der Natur und gleichzeitig bei mir sein zu können.

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