Stewardess Interview: Was ich tun muss, um endlich in den Genuss eines Upgrades zu kommen? Was hilft gegen Jetlag? Diese Fragen und vieles mehr beantworteten mir die Condor Flugbegleiterinnen in diesem Interview.

Ich leide an Höhenangst und je älter ich werde auch immer mehr an leichter Flugangst, die sich besonders bei Luftlöchern meldet. Eingezwängt in viel zu kleine Sitze in der Economy Class habe ich mich schon oft gefragt, wie professionelle Vielflieger mit ihren Ängsten umgehen und was für Tipps sie auf Lager haben gegen Langeweile und übliche Quälgeister.

Auch interessiert es mich brennend, was ich tun muss, um endlich einmal in den Genuss eines Upgrades zu kommen.

Auf meinem Flug von Salvador in Brasilien nach Frankfurt hatte ich endlich die Gelegenheit, gleich zwei Flugbegleiterinnen zu interviewen. Jessica und Jennifer Forstner arbeiten nicht nur seit zwei Jahren bei Condor sondern sorgen auch für echte Verwirrung auf ihren Flügen, denn sie sind eineiige Zwillinge. Hier lest ihr ihre Tipps wie sie gegen arktische Kälte und trockene Augen vorgehen.

Warum seid ihr Flugbegleiterinnen für Condor geworden?

Wir haben uns für Condor entschieden, da die Ferienfluggesellschaft ein Familienunternehmen ist. Diese familiäre und freundliche Atmosphäre haben wir auch gleich bei unserem Bewerbungsgespräch wahrgenommen. Darüber hinaus bietet Condor ein sehr gutes Produkt am Markt an, mit dem wir uns identifizieren können – zum Beispiel eine neue Kabine auf der Langstrecke, tolle Ziele – und blickt außerdem auf eine lange Tradition zurück. Unser Traum ist somit in Erfüllung gegangen: Wir dürfen für eine Fluggesellschaft mit Tradition, Qualität und Historie als Flugbegleiterinnen zusammen in einem Flugzeug arbeiten und zusätzlich die schönsten Ziele der Welt bereisen.

Könnt ihr die Ausbildung zur Flugbegleiterin schildern?

Ein Flugbegleiterlehrgang umfasst sechs Wochen. Dabei werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem für die Sicherheit an Bord ausgebildet – dann dafür sind Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zuständig. So werden im Lehrgang alle sicherheitsrelevanten Inhalte vermittelt und verschiedenste Szenarien für den Ernstfall durchgenommen. Das Sicherheitstraining findet in einem Trainingssimulator statt, der das Umfeld an Bord identisch spiegelt. Ein weiterer Teil der Ausbildung sind Service-Elemente und sogenanntes Crew Resource Management, in dem vor allem psychologische Gesichtspunkte, wie Teamarbeit untereinander, aber auch die Betreuung von Passagieren geschult werden.

Was liebt ihr an diesem Beruf?

Jennifer und Jessica (C) Condor
Eine Flugbegleiterin zu sein ist in unseren Augen ein besonderer Beruf, da er abwechslungsreich und spannend zugleich ist. Der Kontakt mit Menschen aus verschiedenen Kulturen, die Atmosphäre an Bord und die Chance, andere Länder zu erkunden macht diesen Beruf zu einem Traumjob. Zudem lieben wir es als die „flying twins“ an Bord derselben Condor Maschine zu arbeiten. Am Anfang denken die Passagiere wir sind eine Person und entdecken erst später während des Service, dass sie von Zwillingsflugbegleiterinnen versorgt werden. Uns bleibt nur zu sagen: „Wir lieben Fliegen.“

Wieviel Zeit habt ihr an jedem Ort zwischen den Flügen?

Die Aufenthalte in fernen Ländern, also bei Langstreckenflügen variieren. Die Layover können hier bis zu sieben Tage lang sein. Bei Kurz- oder Mittelstrecken haben wir ungefähr eine Stunde „Turnaround“-Zeit, in der das Flugzeug für den Rückflug nach Deutschland bereitgemacht wird.

Habt ihr schon einmal eine brenzlige Situation erlebt während eines Fluges?

Crews arbeiten grundsätzlich nach dem Vier-Augen-Prinzip, richten sich streng nach Checklisten und sorgen so für die Sicherheit an Bord. Brenzlig wird es zum Beispiel, wenn wir vor dem Crew Check-in im Stau stehen – schließlich müssen wir immer überpünktlich sein. Aber wir planen für die Fahrt einfach mehr Zeit ein, so dass nichts schief gehen kann.

Wie geht ihr mit stressigen Situationen um?

In der Ruhe liegt die Kraft! Und ruhig bleiben kann man auch trainieren. Wir versuchen in stressigen Situationen einfach Ruhe zu bewahren und diese sachlich zu betrachten. Dann kann man Schritt für Schritt vorgehen und den scheinbar unüberwindbaren Berg in kleinen Teilen abtragen. Wenn man Ruhe ausstrahlt, beruhigt das außerdem auch die Personen um einen herum.

Wie bleiben Flugbegleiterinnen stets so geduldig und freundlich auch in stressigen Situationen mit nervigen Passagieren?

Das ist alles Übungssache – und schließlich sind wir darauf trainiert und ausgebildet. Wenn man als Team arbeitet, ruhig an Herausforderungen herangeht und freundlich ist, klappt meistens alles viel besser. Außerdem: Wenn man freundlich ist, ist auch der jeweilige Gegenüber freundlich.

Was sind die skurrilsten Fragen von Passagieren?

Manchmal werden wirklich lustige Fragen gestellt. Fragen wie „Wo kann ich mich duschen?“ und „Fliegen Sie gleich wieder zurück?“ (wir sind 12 Stunden geflogen) kommen schon vor. Der Klassiker bei uns ist natürlich die Zwillingsverwechslung: „Wie konnten Sie während des Fluges nach vorne laufen und gleichzeitig von hinten zurückkommen? Sind Sie über das Dach geklettert?“ 😉

Wie komme ich an ein kostenloses Upgrade für eine bessere Sitzklasse?

Das kommt nur in seltenen Fällen vor. Wer allerdings mehr Beinfreiheit genießen möchte, kann sich an Bord von Condor bei freien Plätzchen auch noch kurz vor dem Flug ein Upgrade kaufen. Die kosten liegen bei ab 150 EUR pro Person.

Was tut man gegen Flugangst?

Im Rahmen unseres Flugbegleiterlehrgangs und der regelmäßigen Trainings werden wir auch auf Passagiere vorbereitet, die sich während eines Fluges nicht so gut entspannen können. In solchen Fällen hilft es, wenn man sich beruhigend mit den Passagieren unterhält und zum Beispiel Geräusche erklärt. Eigentlich ist es nämlich ganz logisch, dass man kurz nach dem Start ein Geräusch aus dem Rumpf des Flugzeugs kommt – da wird nämlich das Fahrwerk eingefahren und die Luke ist schließlich fast so groß wie ein Garagentor.

Wie geht ihr gegen Jetlag vor?

Da gibt es ganz unterschiedliche Rezepte. Wir passen uns meistens den lokalen Zeiten des jeweiligen Landes an. Würden wir direkt nach dem Flug sofort schlafen gehen und „in der deutschen Zeit bleiben“, kann es passieren, dass wir mitten in der Nacht aufwachen, Hunger haben und nicht mehr müde sind. Wenn man sich nach dem Flug höchstens ein Stündchen hinlegt und dann rausgeht, stellt sich der Jet Lag gar nicht so richtig ein.

Warum ist es in einem Flugzeug immer so kühl wie in einem „Kühlhaus“?

Die Temperatur im Flugzeug ist eine ganz subjektive Empfindung eines jeden Einzelnen. Es ist natürlich schwierig, es allen 270 Passagieren recht zu machen – ist es dem Einen angenehm, friert der Andere und der Nächste schwitzt. Grundsätzlich gilt, wenn einem zu heiß oder zu kalt ist, sollten Sie die Kabinencrew ansprechen. Die Temperaturregelung wird im Cockpit vorgenommen.

Vielen Dank für das interessante Stewardess Interview Jessica und Jennifer Forstner.

*Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Condor.