Khiva liegt etwas abseits der traditionellen Seidenstraßenroute in Usbekistan. Aber die lange Anreise belohnt mit einer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Stadt im Taschenformat, deren beeindruckenden Sehenswürdigkeiten locker an einem Tag entdeckt werden können. Um die Schönheit von Khiva zu entdecken, tauchte ich jedoch mehrere Tage tief in die Geschichte ein und ließ mich treiben.

Ich bin ganz ehrlich, bevor ich nach Usbekistan gereist bin, hatte ich noch nie von Khiva gehört. Ich bin mir bis heute nicht mal über die korrekte Schreibweise sicher. Manche sprechen von Xiva, andere wiederum von Chiwa, ich werde im Artikel einfach Khiva nutzen. Während meiner Reise hörte ich umso mehr von dieser Stadt mit der langen Geschichte, in der schon Dschingis Khan kämpfte.

Es schien eine Art geheime Absprache zu geben, dass alle Reisenden die gleichen Stopps einlegen: Usbekistans Hauptstadt Taschkent, Samarkand, Buchara und dann eben Khiva. Muss man gesehen haben!

Schließlich schreibt der Daily Telegraph:

„Die Stadt war eine wichtige Anlaufstelle auf der Seidenstraße, auf der der Verkauf von Kamelen, Teppichen, Kaffee und Konkubinen den Kapitalismus, wie wir ihn kennen, prägte.“

Interessanter Gedanke. Und tatsächlich ist das Einkaufen in Khiwa nicht nur Nebensache, sondern ernsthaftes Business. Die meisten Häuser in der winzig kleinen, von dicken Stadtmauern umgebenen Altstadt mussten in den letzten Jahren geräumt werden und bieten mittlerweile Platz für Basare, Museen und Gasthäuser.

Eigentlich erinnerte mich die gesamte Altstadt Khivas mehr an ein poliertes und konserviertes Museum mit Geistercharakter als an eine lebendige Stadt. Authentische Geschichte erleben schien auf den ersten Blick herausfordernd. Wie sollte ich in der kleinen Stadt zwei Tage herumkriegen, nachdem ich bereits am ersten Tag die Stadt in einer halben Stunde umrundet hatte?

Abseits der Hauptstraßen

Usbekistan Ladies
Doch Khiva wuchs mir schnell ans Herz: Abseits der Touristenmassen mit ihren unweigerlichen Selfiesticks und Pauschalreisegruppen, musste ich mich nur ein kleines Stück von den Hauptverkehrsstraßen entfernen, um das traditionelle Leben der Einheimischen abseits der Besucherströme zu entdecken. Ich wanderte durch das reizvolle Labyrinth aus engen Gassen mit Lehmwänden und spektakulären blauen Mosaiken, und stellte mir dir geschichtsträchtige Vergangenheit vor.

Alte Männer saßen auf Bänken und waren in tiefen Unterhaltungen versunken. Frauen in traditionellen Outfits fegten den allgegenwärtigen Staub von ihren Haustüren, und Kätzchen lagen entspannt im Schatten der ruhigen Stadt.

Überhaupt machte diese Nähe zum alten, traditionellen Teil der Stadt, den besonderen Charme von Khiva aus. Schon mongolische Kriegsherren und arabische Invasoren kämpften um die Stadt, die sich seitdem zumindest optisch nicht wesentlich verändert hat.

Ich ließ mich treiben und verlor mich in den blauen Kacheln der Häuser. Bewunderte die in leuchtende Türkis- und Smaragdfarben gehüllten Minarette und stellte mir immer wieder vor, wie viele Menschen bereits vor mir durch die schmalen Gassen wandelten.

Die besten Sehenswürdigkeiten in Khiva

Usbekistan Khiva
Wie überall in Usbekistan scheinen auch in Khiva die zahlreichen Medrassas mit ihren beeindruckenden Kacheln und winzigen Räumen unausweichlich zu sein. Die Koranschulen erzählen von der reichen Vergangenheit des Landes. In den verwinkelten Gassen verlief ich mir nur ein einziges Mal und verstand schnell, wie winzig klein die Stadt wirklich ist. Zusätzlich geben bunte Moscheen und Minarette gute Anhaltspunkte.

Am Westtor kaufte ich am Ticketschalter ein sogenanntes City-Ticket, mit dem ich Zugang zu den meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt erhielt. Es ist zwei Tage gültig und kostet 100.000 Som (10 EUR). Allerdings muss man für den Wachturm, Islom Hoja Minaret und das Pahlavon Mahmud Mausoleum noch mal extra zahlen.

Diese Art der Preisregulierung ist auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig. Immerhin erinnert die gesamte Stadt somit mehr an Disneyworld als an eine lebendige Stadt.

Fügt man dann noch die Massen an Souvenirständen und die vielen kleinen, zweckentfremdeten Museen hinzu, fand ich Khiva zunächst mehr als befremdlich. Es scheint eine Art touristische Art Modellstadt gebaut werden zu wollen, in der Hoffnung mehr Touristen anzulocken. Und doch fing ich den Charme Khivas in den frühen Morgen- und Abendstunden ein, wenn der Ort völlig unberührt von uns Touristen ist und die Einheimischen ihrem Tagewerk nachgingen.

Pahlavon Mahmoud Mausoleum

Pahlavon Mahmoud Mausoleum Khiva

Das Mausoleum ist ein wichtiger Pilgerort für Usbeken und beherbergt das Grab von Pahlavon Mahmoud, dem Schutzpatron Chiwas. Das Innere des Gebäudes ist komplett mit blau-weißen Fliesen verziert, und meistens sitzt dort ein Geistlicher, der mit den Besuchern betet.

Als Kultstätte ist dies ein besonderer Ort für die Einheimischen, sei daher beim Erkunden immer respektvoll und ziehe beim Betreten Deine Schuhe aus.

✓ Preis: Nicht im City- Ticket enthalten. Der Eintritt beträgt 6.000 som (Rund 60 Cent).

Einzigartige Juma-Moschee

Juma Moschee Khiva
Die friedliche Oase der Juma-Moschee ist anders als alle anderen Moscheen, die ich in Usbekistan oder überhaupt jemals besucht habe. Die Hauptkammer ist durch 218 Säulen unterteilt, von denen einige aus dem 10. Jahrhundert stammen. Sie ist um einen kleinen Garten herum angeordnet. Dieser Ort hüllte mich in eine vollständige Stille, Menschen flüsterten ehrfürchtig und Schritte hallten gedämpft durch den höhlenartigen Raum.

✓ Preis: Im City-Ticket enthalten.

Unvergesslicher Sonnenuntergang vom Islom-Hoja-Minarett

Khiva Usbekistan

Islom-Hoja-Minarett
Als das höchste Minarett in Usbekistan erwartete mich dort oben eine ganz besondere Aussicht. Die Madrassa am Fuße des Minaretts beherbergt das Museum für Angewandte Kunst – angeblich das beste Museum Khivas. Doch wie die meisten Museen in der Stadt, werden nur sehr wenige zusätzliche Informationen bereitgestellt.

Die Besteigung über die steile, schwach beleuchtete Treppenhaus ist nichts für schwache Nerven, auch weil sich die Menschen von oben und unten die Treppe teilen. Doch der Ausblick ist grandios.

Wenn die Sonne untergeht, hüllt die Sonne das Minarettpanorama Khiva in einen rötlich-glühenden Himmel mit scheinbar unendlichen Wüstenausläufern am Horizont.

✓ Mein Tipp: Auf der Kuppel ist Platz für rund sechs Menschen. Am besten erklimmst Du den Wachturm schon eine Stunde vor dem Sonnenuntergang, um den Ort – zumindest für eine kurze Zeit – für dich ganz allein zu haben.

✓ Preis: Das Museum ist im City-Ticket enthalten. Der Zugang zum Minarett kostet zusätzlich 7.000 Som (Rund 70 Cent).

Die alte Stadtmauer

Usbekistan Khiva
Die Stadtmauer der Altstadt ist 2.200 Meter lang, bis zu acht Meter hoch und bis zu sechs Metern breit. Die heutige Mauer entstand im 18. Jahrhundert, nachdem sie Nadir Schah 1740 niedergerissen hatte. Trutzig zeigt sie Besuchern schon von weitem ihre Wehrhaftigkeit und zeugt von vielen Kriegen um die Stadt.

Eigenwillige Museen

Wie schon erwähnt lässt der Tourismusminister von Usbekistan die Stadt zu einem lebendigen Freilichtmuseum umbauen. Dementsprechend ist Khiva mit Museen überschwemmt. In fast jeder alten Koranschule ist ein Museum untergebracht, mit so großen Ansprüchen: Deutsche in Usbekistan, ausgestopfte Lämmer, die eher wie eine verunglückte Kreuzung zwischen Dackel und Hund aussahen, allgemeine Medizingeschichte, siamesische Zwillinge und Wandzeitungen übers Baumwallpflanzen. Es gibt nichts, was es nicht in die Museen Usbekistans schaffen würde.

Samsa-Essen auf dem Basar

Samsa Usbekistan
Am Osttor erstreckt sich ein typischer usbekischer Basar, auf dem ich Leute beobachtete und mich in der Menge verlor. An vielen Ecken backen Frauen leckere Kürbis-Samsa in Steinofen: UNbedingt probieren!

✓ Mein Tipp: Am frühen Sonntagmorgen vor 10 Uhr soll auf dem Tiermarkt Geflügel verkauft werden.

Khiva Restraurants

Khiva Kalta Minor
Das Essen in Usbekistan ist mehr als gewöhnungsbedürftig, den allgegenwärtige Plov konnte ich schon beim zweiten Mal nicht mehr sehen. Khivas charakteristische Gericht ist Shivit Oshi, ein mit Dill, Gemüse und Nudeln angereicherter Eintopf.

Ehrlicherweise aß ich das beste Gericht in meiner Unterkunft, der Rasul-Nazar mitten in der Altstadt von Khiva. Die drei gastfreundlichen älteren Damen sprachen zwar kein Wort Englisch, aber zauberten einen vollen Tisch, der sich vor Speisen zerbarstete. Und das Beste daran war, dass ich am gemeinsamen Tisch gleich die anderen Gäste kennenlernte. So geht Gastfreundschaft!

Die Preise in Usbekistan sind mehr als günstig, und selbst in Touristenrestaurants kostet Plov selten mehr als drei oder vier Euro.

Wenn Du ein authentischeres Speiseerlebnis suchst, dann solltest Du auf jeden Fall den Basar suchen, auf dem günstige regionale Gerichte zu einem Bruchteil des Preises verkauft werden.

Übernachtungsmöglichkeiten in Khiva

Razul Nasar Hostel
Um das ganz besondere Ambiente der alten Stadt zu genießen, empfehle ich eine Übernachtung in den verwinkelten Gassen der Altstadt. Ich übernachtete in der Rasul-Nazar Herberge und war überrascht von der liebevollen Atmosphäre. Wie gesagt, bekamen wir für sechszehn Euro pro Nacht pro Zimmer nicht nur ein wunderbares Frühstück serviert, sondern genossen auch das leckerste Abendessen während unserer Reise.

Zum Frühstück wurde Brot, Früchte und Eier serviert und die Zimmer waren groß und luxuriös eingerichtet. Mir gefiel der Vibe eines Hauses, in dem Fremde wie in einer WG zusammen wohnten du sich beim Frühstück in der großen Eingangshalle – oder besser gesagt Wohnstube – jederzeit über den Weg liefen.

Anreise nach Khiva

Usbekistan Bahn
Flüge und Züge aus den größeren Städten kommen im nahegelegenen Urgench an, von dem ich mit dem Taxi noch einmal rund vierzig Minuten nach Khiva brauchte.

Züge fahren täglich über Samarkand von und nach Taschkent. Züge nach Taschkent fahren um 14.35 Uhr und 19.00 Uhr und brauchen 17 Stunden.

✓ Ticket 1. Klasse: 320.000 Som (40 USD)
✓ Ticket 2. Klasse: 170.000 Som (21 USD)

✓ Mein Tipp:
Ich war überrascht, wie schnell die Zugtickets auch in der Nebensaison ausgebucht sind. Daher empfehle ich die Bahntickets unbedingt im Voraus zu kaufen. Sonst geht es Dir wie mir, und Du sitzt mehrere Tage an einem Ort fest. Reisepass nicht vergessen!

Samarkand und Buchara sind die großen Städte in Usbekistan, die man gesehen haben muss. Doch mehr und mehr mausert sich Khiva zum echten Geheimtipp. Einst ein Synonym für Sklavenhandel und Barbarei, ist es heutzutage ein lebendiges Museum mit charmanten alten Straßenzügen und wunderbarer Architektur, die mich direkt in eine andere, längst vergangene Zeit gebeamt haben.

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