Bei den meisten Backpackern reißt eine Reise auf die karibischen Inseln ein riesiges Loch in ihr Reisebudget, doch ich zeige dir, wie du auch mit wenig Geld auf den traumhaften British Virgin Islands auf deine Kosten kommst.

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Was soll ich euch groß von den British Virgin Islands vorschwärmen, die Fakten sprechen für sich:

Über sechzig kleine Inseln, idyllische Buchten, glasklares Wasser, entspannte Stimmung und viel Platz für Wassersportarten aller Art.

Ein Paradies für Segler und Taucher.

Paradiese wie diese gibt es viele in der Karibik. Und doch umgeben die British Virgin Islands einen ganz eigenen Charme, was bestimmt auch daran liegt, dass sich die meisten Menschen dieser Welt einfach einmal diesen überteuerten weißen Fleck auf der Landkarte der budgetorientierten Backpacker nicht leisten können.

Denn billig sind die Britischen Jungferninseln sicherlich nicht.

Doch da ich zusammen mit meinem Freund Nic bereits zwei Wochen durch Puerto Rico gereist und gesurft bin, hatten wir Bock auf eine neue Insel, und die benachbarten Jungferninseln lagen auf der Hand.

Einreise auf die British Virgin Islands

Karibik Flugzeuge (c) Anja Knorr

Seaborne Airlines Karibik (c) Anja Knorr

Wir fanden einen extrem günstigen Flug von San Juan in Puerto Rico nach Saint Thomas auf den US Virgin Islands mit Seaborne Airlines.

Am Morgen des Abflugtages stellten wir entzückt fest, dass alle Passagiere mit dem Reiseziel der Karbik in einer separaten Halle des Flughafens abgefertigt wurden. Von dort hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf die Flugzeuge, von denen die meisten kleine Propellerturbinen waren, in die kaum zehn Mann reinpassten.

Als wir aufgerufen wurden, liefen wir auf das Rollfeld und packten unser Gepäck auf die Ladefläche. Privatjet-Feeling schien auf dem Programm zu stehen und stimmte uns auf die nächsten Tage ein.

Anschließend wurden wurden wir vom Co-Piloten höchstpersönlich begrüßt und entsprechend unserem Gewicht Plätzen im Flugzeug zugewiesen. Die Tür zum Cockpit stand offen und mit einem Lächeln im Gesicht übernahm der Co-Pilot die Einweisung, die sonst den Stewardessen zufällt. Die kleine Maschine mit Platz für 15 Mann hob unter ohrenbetäubenem Lärm ab und ruckelte uns in gemächlichem Tempo über unbewohnte Eilande und traumhafte Meereslandschaften.

Backpacking Karibik (C) Anja Knorr

Flugzeug Karibik BVI (c) Anja Knorr

Landebahn US Virgin Islands (c) Anja Knorr

Das azurblaue Meer und die wie Perlen auf einer Kette aufgereihten Inseln glitten unter uns vorbei wie in einem Film und in weniger als einer Stunde landeten wir in Saint Thomas. Die Landebahn schien alarmierend kurz und beide Piloten zogen an der Bremse und drückten aus voller Kraft dagegen.

Polternd, ruckelnd und mit einem flauem Gefühl in der Magengegend kamen wir sicher in Saint Thomas an, doch entschlossen uns, gleich am nächsten Tag weiter auf die ruhigen Britischen Jungferninseln zu fliegen, da die Hotels in Saint Thomas so kurz vor Silvester allesamt ausgebucht waren.

Herumfragen lohnt sich

Trellis Bay British Virgin Islands (c) Anja Knorr

Was für eine blöde Idee, dachten wir m Nachhinein! Schon auf der Fähre nach Road Town auf Tortola hörten wir von anderen Mitreisenden, dass sie ihre Unterkunft Monate im voraus gebucht hätten, und das die Preise absolut nicht verhandelbar wären. Wir liefen verschiedene Hotels ab und nach langer Recherche im Internet zeigte sich, dass es A) auch auf Tortola keine freien Zimmer mehr gab und B) selbst wenn es sie noch gegeben hätte, wir sie uns niemals hätten leisten können.

Die Zimmerpreise starteten bei 250 Euro die Nacht. Mein Herz rutschte in meine Hose, und ich machte mich darauf gefasst, dass wir unser gesamtes Reisebudget innerhalb eines Wochenendes aufbrauchen würden und danach verfrüht wieder heimfahren müssen.

Als wir plan- und fassungslos im Warteterminal auf unseren Rechner starrten, fiel immer wieder ein Name in unzähligen Foren und Suchkombis: Jeremy Wright, dem das Trellis Kitchen Cybercafé und Bordsailing BVI gehört.

Jeremy ist ein englischer Haudegen, der viele Jahre die Weltmeere umsegelt hat und seit mehr als dreißig Jahren in Trellis Bay, einer kleinen Bucht auf Beef Island, lebt und neben seinem Restaurant auch noch einen Surfshop betreibt. Da Nic ein passionierter Windsurfer ist, und ich es seit letztem Jahr zumindest versuche, beschlossen wir, ihm eine Email zu schreiben und auf gut Glück zu ihm zu fahren.

Zelten Karibik

Kaum angekommen stellte er sich als mürrischer Brite heraus, an dem das karibisch lässige Leben abzuperlen schien. Allerdings verbarg sich hinter seiner rauen Schale ein weicher Kern und so hatte er Mitleid mit uns und ließ uns für 40 Dollar (!) die Nacht an seinem Strand in Trellis Bay ein Zelt aufbauen. Die Benutzung seiner Toilette ließ er sich noch extra bezahlen. In der befand sich allerdings auch eine Dusche, und lustigerweise musste ich, um zu duschen, jedes Mal durch das voll besetzte Restaurant flitzen.

Wir waren megahappy, dass er uns an seinem Strand zelten ließ, allerdings kam ich mit der rauen Art und der „jeder Cent kostet extra-„Mentalität gar nicht klar. Sicherlich sparten wir durch ihn eine Menge Geld und wir waren in seinen Augen bestimmt nichts weiter als abgeranzte Backpacker mit einem viel zu kleinen Zelt, doch immerhin bezahlten wir für die Nutzung seines Strandes.

Und wieso konnte er nach all den Jahren auf den British Virgin Islands nicht einfach von den Einheimischen die entspannte Art lernen? Von nix kommt eben nix, sonst würde er wohl immer noch in Manchester rumhängen und Toiletten putzen.

Doch vielleicht trägt gerade dieser Exklusivitätsgedanke dazu bei, dass wir uns selber ziemlich schnell wie Mitglieder eines auserlesenen Clubs vorkamen.

Interessant wie schnell man sich in der Welt der teuren Yachten, Kaviar und champagnerfeuchten Empfänge zurecht findet.

Denn zu Silvester ankern vor Trellis Bay unzählige Yachten, Jollen und Motorboote und es ist ein großartiger Ort, um sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und die oberen Zehntausend zu beobachten. Richard Bransons Privatinsel Necker Island liegt nur einen Katzensprung entfernt und man erzählte sich im Ort, dass er einen Tag zuvor den Jet vom Flughafen in Beef Island genommen hätte.

*Reisetipp: Immer schön nachfragen und sich nicht von Absagen unterkriegen lassen.

Selber kochen mal anders – Karibische Barbecues am Strand

Picknick Karibik (c) Anja Knorr

Trellis Bay ist berühmt für seine Full Moon-Partys und unvergesslichen Silvesterpartys auf den British Virgin Islands, an deren Ende wie beim Burning Man riesige Figuren auf dem Meer verbrannt werden.

Schon Tage vor dem großen Event sammelten sich sämtliche Segelboote und Yachten mit Fähnchen aus aller Welt an der Bucht von Trellis Bay auf Tortola.

Schließlich sollte dort die größte Party des Jahres 2012 steigen. Und wir begannen den Tag mit einem gemütlichen Grillnachmittag am Strand. Am Strand hatten wir einen Kanadier namens Dave kennengelernt, der ebenfalls wie wir am Strand von Jeremy nächtigte und nicht einmal ein Zelt dabei hatte. Er schlief auf einer Hängematte in den Bäumen, was romantischer klingt als es ist, wenn du bedenkst, dass es in der Karibik ziemlich viel regnen kann.

Dave machte ein Feuer aus einem Reifengitter, den wir am Strand gefunden hatten, und gemeinsam bauten wir Schaschlik-Stäbe aus Zweigen.

Britisch Virgin Islands Grillen (c) Anja Knorr

Trellis Bay BVI (c) Anja Knorr

Wir öffneten Kokosnüsse, die wir am Strand gefunden hatten. Ab und zu flanierten einsame Strandgänger vorbei oder aber es erbarmten sich ein paar der Segelbootbesitzer mit ihrem Schlauchboot zu uns zu fahren, um uns mit Getränken zu versorgen. Mehr als einmal bewunderten uns die reichen Yachtbesitzer für die Einfachheit unseres Dinners und how simple life can be…

Ob unsere neuen Freunde wirklich dachten, wir würden dazu gehören oder sie sich angesichts unserer mageren Behausung – sicherlich die einzigen Camper auf den Inseln – zu Mitleidsgesten hinreißen ließen, wird für immer ein Rätsel bleiben.

Doch das spielte keine Rolle. Wir genossen den Sonnenuntergang und waren uns sicher, noch nie so gut in unserem Leben gegessen zu haben.

*Reisetipp zur Verpflegung: Die Restaurants sind sündhaft teuer. Neunzig Dollar für zwei Personen und jeweils einen Hauptgang keine Seltenheit! Daher haben wir im kleinen Supermarkt Gemüse, Brot und Fleisch gekauft und am Strand selber gekocht. Macht euch auf die ungläubigen Blicke der anderen Urlauber gefasst, die uns ansahen als kämen wir vom Mars.

Silvester in Trellis Bay auf Tortola

Silvesterparty Trellis Bay (c) Anja Knorr

Nach Einbruch der Dunkelheit bemerkten wir jedoch, dass an jenem Tag die Silvester-Nacht darauf wartete, gebührend gefeiert zu werden und am anderen Ende des Strandes die Megaparty mit Feuerwerk, Musik und im Wasser brennenden Gestalten abging.

Tausende Menschen aus aller Welt, die für eine Nacht alle die universelle Sprache des Alkohols sprachen.

Moko Jumbies tanzten in bunten Kostümen auf ihren Stelzen durch die tobende Menge am Strand. Einheimische Fungi Bands spielten auf und zeigten ihren für die Britischen Jungferninseln ganz eigenen Stil aus Calypso und Satire. Die Bands bestehen aus vielen verschiedenen Musikinstrumenten, von denen einige selbst gemacht sind.

Silvester British Virgin Islands (c) Anja Knorr

Silvesterparty Trellis Bay BVI (c) Anja Knorr

Daneben gab es Reggae-Lifebands und ein riesiges karibisches Buffet. Kinder liefen am Strand entlang und wir Erwachsenen genossen den Rum in Strömen. Die vom einheimischen Künstler Aragorn Dick Read gestalteten Feuerbälle brannten im Hintergrund ein unglaublicher Vollmond ließ die Nacht zum Tag werden.

Ich spürte wie der warme Wind meine Haut umspielte. Ein tiefes Glücksgefühl machte sich in mir breit. Eins von der Sorte, dass mir sagte, dass ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ein Gefühl, dass ich leider viel zu selten in meinem Leben kenne.

Irgendwann versammelten sich alle Gäste am Ufer und beobachteten unter großer Anteilnahme und vielen „Ahs“ und „Ohs“ wie die Burning Men-Figuren angzündet wurden und langsam untergingen.

Legen-DÄR! Jedenfalls der Teil, an den ich mich noch erinnere.

Urlaub auf Virgin Gorda – The Baths

backpacking-british-Virgin-Islands-c-Anja-Knorr

Virgin Gorda The Baths

Paradise anyone?

Virgin Gorda ist die drittgrößte der Britischen Jungferninseln und lange bevor wir es überhaupt dorthin schafften, hörten wir andere Reisende ehrfürchtig von diesen unfassbar schönen Granitformationen am Meer sprechen.

Auf dem Weg von The Baths zur zauberhaften Devil’s Bay verirrten wir uns in den Grotten, kletterten an Steinen hinauf und auf der anderen Seiten wieder herunter, schwammen durch Löcher in Felsvorsprüngen, wateten durch knietiefes Wasser, schnorchelten und boulderten, was das Zeug hielt.

*So kommst du nach Virgin Gorda: Eine teure, organisierte Tagestour kannst du dir sparen. Wir haben uns einfach an den Anlegesteg von Trellis Bay gestellt und gefragt, ob eines der Boote auch dorthin fährt. Dann einfach trampen. Alternativ gibt es auch regelmäßige Fähren nach Virgin Gorda.

Segeln auf den British Virgin Islands

Segeln Karibik (C) Anja Knorr

Die British Virgin Islands sind ein wahres Eldorado für Segler aus aller Welt und gelten als eines der weltbesten Segelreviere weltweit.

Durch die konstanten Passatwinde, dem strahlend blauen Wasser und teilweise ziemlich herausfordernden Passagen auch kein Wunder. Segel-Charterboote gibt es in jeder Größe und Preisklasse.

Aber bei Einsteigerpreisen von 6000 $US pro Woche für ein kleines Segelboot mussten wir passen und beschränkten uns auf nette Kapitäne, die uns ab und zu von Insel zu Insel mitnahmen.

Daneben sind die Britischen Jungferninseln ein Traum für Taucher und hier lest ihr über meinen Tauchgang am legendären RMS Rhone Wreck.

British Virgin Islands auf einen Blick

HauptstadtRoad Town
StaatsformBritisches Überseegebiet Großbritanniens
Fläche153 km²
Einwohnerzahl23.098
Währung1 US-Dollar = 0,75 Euro
ZeitzoneUTC-4
SpracheEnglisch und Kreolisch
KlimaDas ganze Jahr tropisch warmes Wetter. Temperatur 26° – 32° C im Schnitt. Hurrikans kommen zwischen Juli und November vor
Beste ReisezeitIm Winter zwischen Dezember und April ist Hauptsaison. Zu Weihnachten und Neujahr ist alles ausgebucht und überteuert
Telefonvorwahl+1
Landesweiter Notruf911, 999, für Polizei, Feuerwehr und Notarzt
Strom110 Volt / 60 Hz
EinreiseKein Visum nötig, Ein 6 Monate gültiger Reisepass reicht aus. Bei der Ausreise wird das ESTA verlangt, wenn mann in die USA einreisen will
VerkehrEs herrscht Linksverkehr

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