Blitz lädiert die Jesus Christusstatue Rio de Janeiro: Lese hier, wie bei einem Unwetter auf dem Zuckerhut die Christusstatue ihren Daumen verlor

„Ich weiß nicht, ob wir da jetzt unbedingt hochfahren sollten“, warf ich zweifelnd ein, als mich mein Freund voller Elan zur Seilbahn zog. Skeptisch musterte ich die Wolken am Himmel über Rio de Janeiro, die dramatisch den Himmel verdunkelten. Da braute sich eindeutig ein Unwetter zusammen und mein natürlicher Pessimismus sollte Recht behalten.

Ich war enttäuscht. „Da ist man einmal im Leben auf dem Zuckerhut und dann schieben sich zum ersten Mal auf meiner Reise durch Brasilien so dunkle Gewitterwolken vor die Linse, dass sich sogar die Vögel hinlegen zum Schlafen,“ seufzte ich voller Wehmut. In der Ferne grollte der Donner immer lauter auf, und wir nahmen trotzdem die erste Seilbahn hinauf zum Morro da Urca, der rund 215 Meter hoch ist und die Verbindung zum Zuckerhut herstellt. Dort lag die zweite Station, von der wir in modernen und riesengroßen Kabinen auf den weltberühmten Zuckerhut gebracht wurden.

Zuckerhut Rio de Janeiro (c) Anja Knorr

Die Aussicht war jedoch alles andere als enttäuschend, sondern einfach nur spektakulär. Einige Stunden zuvor sah die Stadt noch so friedlich aus und strahlte in leuchtenden Blau-Tönen.

Zuckerhut Rio Brasilien (c) Anja Knorr

Nur um ein paar Stunden später am hellichten Tag Endzeit-Stimmung zu verbreiten.

Rio-de-Janeiro-Brasilien-Unwetter-c-Anja-Knorr

Die Stadtteile Ipanema, Copacabana und der Hafen von Botafago lagen vor uns ausgebreitet wie auf einem Schachbrett und die Christusstatue auf dem Corcovado thronte erhaben über das gesamte Schauspiel. Die Wolken hingen so tief, dass wir von ihnen eingehüllt wurden und der Wind blies diese schnell und schnörkellos an uns vorbei als seien sie auf einer Mission.

Rio de Janeiro Brasilien (c) Anja Knorr

Angekommen auf dem weltberühmten Zuckerhut, seit Jahrhunderten Sehnsuchtsort aller Backpacker und Weltreisender, fingen die Blitze an. Zunächst nur weit entfernt am Horizont und vereinzelt, doch dann immer bedrohlicher.

Unwetter Rio Brasilien (c) Anja Knorr

Binnen weniger Minuten regnete es in Strömen und innerhalb kürzester Zeit waren wir nass bis auf die Haut. Wer sich je gefragt hat, wie man bei 28°C Gänsehaut kriegen kann, sollte sich einmal auf einen ungeschützten Berg stellen und mit nassen Klamotten auf ein baldiges Ende des Unwetters hoffen.

Christusstatue Rio

Frau Backpacking (c) Anja Knorr

Ich zitterte wie Espenlaub, und wir rannten zur Seilbahnstation. Entsetzt stellte ich fest, dass alle anderen Gäste dieselbe Idee hatten und reihten uns in einer wild wachsenden Schlange im strömenden Regen ein. Nichts bewegte sich und schließlich wurde sogar niemand mehr ins Gebäude gelassen, denn die Seilbahn hatte ihren Betrieb eingestellt. Zu gefährlich bei den vielen Blitzen. Wo sollten wir denn jetzt alle hin, fragte ich mich, als mich Nic zu einem offenen Zelt zog, unter dem wir wenigstens nicht weiter dem Regen ausgesetzt waren.

Weil ich keine Heulsuse sein wollte, gesellte ich mich zu den anderen Mutigen, die vor dem Zelt fasziniert das Naturschauspiel beobachteten. Unzählige Blitze erhellten den Himmel, unmittelbar gefolgt von bedrohlichem Donnergrummeln. Laut dem Spiegel wurden mehr als 40.000 Blitze an Rios Himmel innerhalb weniger Stunden gezählt, dutzende Bäume getroffen, es kam zu Stromausfällen und Überflutungen.

Die berühmte Christusstatue am Corcovado, die noch am selben Tag so friedlich in der Sonne ruhte ein paar Stunden zuvor, verlor sogar durch einen Blitzeinschlag seinen rechten Daumen. Uns wurde versichert, dass dies jedoch nichts Außergewöhnliches sei und er aufgrund seiner exponierten Lage genauso oft von Blitzen getroffen wird wie der Zuckerhut selber, auf dem wir festsaßen. Und zwar geschlagene zwei Stunden lang.

Als wir endlich wieder in das Gebäude gelassen wurden und die Seilbahn ihren Betrieb wieder aufnahm, spürte ich entgeistert einen leichten Stromschlag unter meinen Füßen gepaart mit einem gewaltigen Krach, als wir in der Mittelstation die Seilbahnen wechselten. Ein Blitzeinschlag genau in der Station und unter normalen Umständen hätten mich keine zehn Pferde in die Seilbahn gesetzt, doch Brasilien hat sich schon auf mich abgefärbt: Todo bem, dachte ich mir und huschte in die warme Kabine.

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