Live hinter den Kulissen einer Fernsehshow: Eines schönen Morgens saß ich im Studio des SAT.1 Frühstücksfernsehen und wurde von den Moderatoren zum Backpacken und Zelten befragt.

Als ich in aller Herrgottsfrühe zum Gelände schlurfte, frierend meine Hände in den Taschen vergrub und fragend nach einer halbwegs brauchbaren Anschrift Ausschau hielt, wünschte ich mich an einen anderen Ort. Zu fremd, zu überwältigend und zu nervös machte mich diese neue Situation.

In weniger als einer Stunde würde ich live im Fernsehen bei SAT.1 zu sehen sein und bibbernd verdammte ich einmal mehr meine Abenteuerlust und Neugier.

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde und fühlte mich wie am ersten Schultag in einer neuen Schulklasse, als die Lehrerin dich mit einem ermunternden Klaps auf den Po in die Klasse schob. Ich hasse es, die Neue zu sein und will mich in den ersten Minuten meist in einem Mauseloch verstecken.

Aber hey, ich bin 33 Jahre alt und muss lernen, mich den Herausforderungen zu stellen. Schließlich kann man doch gerade an denen wachsen.

„Es ist nur das Frühstücksfernsehen, abgesehen von meinen Eltern wird das niemand schauen,“ versuchte ich mich zu beruhigen und schlängelte mich an einem Team von rauchenden Fernsehleuten vorbei. Ich war überrascht wie munter die schon alle waren um sechs Uhr morgens.

Am Empfang nahm sich die Gästebetreuerin Vera meiner an und führte mich nach oben in den Backstage-Bereich. Zwei Sofas, ein riesiger Fernseher an der Wand und ein Haufen belegte Brötchen auf dem Couchtisch.

SAT.1 Frühstücksfernsehen (c) Anja Knorr

Ich hatte eine Stunde Wartezeit vor mir, bevor ich auf Sendung ging. Mein Puls stieg bei der Ankündigung, die vorgetragen wurde, als würde ich die Neujahrsansprache von Angela Merkel vorlesen.

Vera hat den Job als Gästebetreuerin ursprünglich als Studentin gemacht und ist, wie sie selber sagt, einfach hängen geblieben. Nach dem ersten Small Talk setzte ich mich, doch wurde schnell aufgefordert, Vera in einen anderen Raum zu folgen.

Ein kritischer Blick in den Spiegel seitens der Stylistin später sagte uns, dass ich definitiv zu verknittert aussah, um ungeschminkt auf das SAT.1 Publikum losgelassen zu werden.

Backstage bei SAT.1

Makeup Style Sat.1 (c) Anja Knorr
„Alles werde ganz natürlich aussehen,“ versicherte mir die Stylistin, doch als ich ihr bei der Arbeit zusah, verschwand mein schluffiges Backpacking-Ich hinter einer zentimeterdicken Schicht Makeup. Wenigstens sahen meine Haare gut aus. Als ich so auf dem Stuhl saß und aufgehübscht wurde, konnten ich im Fernsehen live sehen was eine Etage tiefer im Studio abging.

Es fühlte sich seltsam fremd an, ein paar Meter entfernt von einer Live Sendung auf meinen Auftritt zu warten. Meine Nerven lagen blank. Dennoch gelang es mir, mich auf halbwegs normal Wege mit der Stylistin zu unterhalten. Ich war selber von mir überraschte.

Vera brachte mich anschließend nach unten ins Studio, ich wurde verkabelt und dann in die Kulissen geschubst. Die aufgedrehten Moderatoren Marlene und Jan wuselten gerade in einer Küche herum und versuchten sich an selbstgenmachten Eis.

In der Zwischenzeit hatte ich genügend Zeit die von mir mitgebrachten Requisiten auf einem Campingtisch auszubreiten. Taschenmesser, Ohrenstöpsel, Reiseapotheke und sonstige Utensilien, die man unbedingt auf einer Backpacking-Reise dabei haben sollte.

Das SAT.1 Frühstücksfernsehen

Hinter den Kulisesen SAT.1 (c) Anja Knorr
Jan und Marlene SAT.1 (c) Anja Knorr

Ton, Kameramann, Aufnahmeleitung stellten sich der Reihe nach bei mir vor und erklärten die nächsten Schritte. „Bist du aufgeregt?“ hörte ich sicherlich an die zwanzig Mal mit sorgenvoller Miene in meine Richtung gefragt. Ein nachgeschobenes: „Du bist die erste Nicht-Professionelle, mit der wir es hier versuchen,“ half mir nicht gerade dabei, zu entspannen und natürlich vor der Kamera zu wirken. Allerdings war ich überrascht und wirklich beeindruckt, wie entspannt und locker die Atmosphäre im Studio war.

Die Szene in der Küche wurde abgedreht und schon kam die wunderschöne Marlene auf mich zu, stellte sich vor und teilte mir mit, dass ihr die Fragen an mich zu langweilig erschienen und sie deswegen noch einmal alles umgeschrieben hätte. Juchuh, dachte ich leicht gestresst.

Ich wurde auf einen Campingstuhl vor zwei Zelten geschoben, Marlene moderierte den Part an und schon war ich auf Sendung.

TV Interview SAT.1 (c) Anja Knorr

Wider Erwarten stolperte ich nicht über meine eigenen Worte, brachte halbwegs sinnmachende Sätze heraus und konnte nicht glauben, dass meine fünf Minuten Ruhm sogar Spaß machten. Ich funktionierte wie ein perfekt geöltes Rädchen im Wagen. Beantwortete Fragen wie

✓ Warum sind immer mehr Menschen mit dem Rucksack unterwegs?

Wie reist man so lange?

✓ Was sollte unbedingt im Rucksack sein?

✓ Welche Vorteile hat das Backpacking?

✓ Welche Reiseziele würdest du Backpacking-Anfängern empfehlen?

✓ Ist es gefährlich, alleine als Frau zu reisen?

Innerhalb weniger Minuten war der ganze Spuk jedoch wieder vorbei und ich hatte keine Ahnung, was ich da eigentlich von mir gegeben hatte. Ich war heilfroh, dass ich mich nicht selber sehen musste.

Ich hätte allerdings gerne noch ein paar Minuten länger geplaudert, da ich noch so viele Reisegeschichten wie nach Panama zum Besten geben wollte, doch mehr Sendezeit stand leider nicht zur Verfügung.

SAT.1 Frühstücksfernsehen Interview (c) Anja Knorr

Marlene war noch kurz so lieb und machte ein paar Erinnerungsfotos für mich, denn sonst würde ich ja nicht mit dieser unglaublichen Erfahrung angeben können.

Als ich es mir nach rund fünf Minuten wieder auf der Couch im Besucherraum bequem machte und erleichtert in ein belegtes Brötchen biss, hieß es jedoch, dass ich in einer halben Stunde ein weiteres Mal dran wäre, allerdings mit den gleichen Themen wie beim ersten Mal. Sozusagen für den zweiten Schwung Frühaufsteher.

Backpacking Experte SAT.1 (c) Anja Knorr

Ich zwackte mich mehrmals in meinen Arm, nur um sicher zu gehen, dass ich weder schlafe noch träume. Ich kleines Landei als Expertin in einer großen Fernsehshow. Und ich musste noch nicht einmal jemanden bestechen oder mich hochschlafen.

Gegen zehn Uhr versammelten sich noch einmal alle Gäste und Moderatoren zur großen Verabschiedung auf der Studio-Couch und winkten in die Kamera. Wetten, dass..?- Feeling inklusive. Alle lagen sich erleichtert in den Armen, verabschiedeten sich und binnen kürzester Zeit war das Studio wie leergefegt. Ich verabschiedete mich und musste mich erst einmal herunter bringen von diesem Rausch an Selbstbestätigung.

Was für eine Erfahrung bei einer großen TV Produktion live dabei sein zu dürfen. Ich durchlebte die gesamte Gefühlspalette von himmelhochjauchzend bis zu mega aufegregt einmal durch und fühlte mich unheimlich lebendig.

Und obwohl ich es niemals für möglich gehalten habe, weil ich eher ein schüchterner Mensch bin, hoffte ich, dass mein Auftritt nicht der letzte seiner Art sein würde, da ich zum Thema Reisen noch so viel mehr zu sagen habe.

Das ganze Interview kannst du dir hier anschauen: Urlaub mit dem Rucksack.