Outdoor-Aktivitäten made in Sachsen: Rings um Leipzig liegt das Leipziger Neuseenland. Einst wurde dort in riesigen Tagebauen Kohle abgebaut. Fast dreißig Jahre später ist davon nicht mehr viel übrig. Vielmehr heißt es tagsüber, Sonne, Strand und Surfen zu genießen, während es abends zum Feiern in die Leipziger Szene geht.

„Kannst du Wind sehen“, fragte mich Sten, mein blonder Surflehrer. Eigentlich dürfte ich alte Surferin von solchen Fragen schon längst nicht mehr verunsichert werden, und doch fühlte ich mich eine Sekunde lang wie Jesus Christus: Klar kann ich Wind sehen – und über Wasser gehen auch!

Der gute Sten meinte natürlich, ob ich die Bewegungen im Wasser sehen kann, die der Wind verursacht. Klar konnte ich das sehen, und ich war froh, dass anscheinend Wind im Anmarsch war. Denn noch lag der Schladitzer See ruhig und unberührt vor mir. Wird wohl nichts mit meiner Privatstunde, um an meiner Technik zu feilen, dachte ich traurig. Egal immerhin befand ich mich draußen inmitten unberührter Natur und hörte den zwitschernden Vögeln zu. Es beruhigt mich immer wahnsinnig, wenn ich Vogelgesang höre.

Pünktlich zehn Uhr morgens stand ich also in Rackwitz am Schladitzer See und wurde von einem strahlenden Sten in Empfang genommen. Wieder einmal fragte ich mich, ob es zu den Grundvoraussetzungen eines Surflehrers gehört, blond und gutaussehend sein zu müssen, um den Job zu bekommen?

Schüchtern wie ich bin, werde ich das wohl nie herausfinden. Da an dem Morgen sowieso nichts los war und wir auf den Wind warteten, standen wir fachmännisch am Ufer und ich ließ mir von Sten die wechselvolle Geschichte des Seenlandes um Leipzig erzählen.

Leipziger Outdoor-Aktivität Nr.1 – Windsurfen

Leipzig Schladitzer See
Am Schladitzer See frästen einst gigantische Baggerkolosse Millionen Tonnen Braunkohle aus der sächsischen Erde. Ab 1998 wurde das „Restloch“ des ehemaligen Braunkohletagebaus Breitenfeld geflutet und seit 2003 ist der See zwischen Leipzig und Delitzsch für Wassersportler und Badegäste zugänglich. Im gleichen Jahr gründete Sten mit Freunden zusammen das Camp David Wassersportzentrum am See, das seitdem langsam aber beständig wächst. Auf mittlerweile mehr als 200 Hektar Wasserfläche können sich die Wasserbegeisterten nun austoben und von Windsurfen, Segeln, Standup Paddelboard bis hin zu Apnoetauchen und Tauchen ausprobieren.

Das klingt nach Urlaub. Und genauso hat sich mein Wochenende dort auch angefühlt.

Man duzte sich ganz selbstverständlich und alles, was zählte, war der Spaß am Sport, an der Bewegung und am Wasser. Ich war in meinem Element und wahnsinnig glücklich. Fühlte mich dazu gehörig und konnte nicht glauben, wie unheimlich nett die Leute im Camp waren. Ich komme aus Berlin und die berühmt-berüchtigte Berliner Schnauze hat mich auf Lebenszeit abgehärtet. Viel erwarte ich nicht mehr, und bin schon zufrieden, wenn ich nicht schlecht gelaunt angepammt werde. Umso überraschter war ich von den herzlichen Sachsen, die tiefenentspannt immer zu einem netten Plausch aufgelegt zu sein scheinen.

Davon können sich die hippen Berliner echt mal ‘ne Scheibe abschneiden.

Leipzig Schladitzer See

Als der Wind endlich kam, tastete er sich vorsichtig voran, und er war gerade stark genug, um den Wasserstart und Trapezfahren zu üben. Wieder einmal. Ich hatte das Gefühl, dass ich immer das Gleiche übe, und da die zeitlichen Abstände dazwischen so groß sind, kann sich das Gelernte nie wirklich einprägen.

Und auch an jedem Samstag hatte ich nur einen halben Tag Zeit, weil ich am Nachmittag Tauchen gehen wollte.

Windsurfen auf dem Schladitzer See

Wassersport im Camp David by All-on-sea am Schladitzer See
Schladitzer Bucht
Haynaer Straße
04519 Rackwitz
www.campdavid-sportresort.de

Leipziger Outdoor-Aktivität Nr.2 – Tauchen im See

Leipzig Schladitzer See
Das erste Mal tauchen in einem heimischen See – das klang zunächst einmal nicht sehr vielversprechend: Kälte, schlechte Sichtweiten und was soll man schon groß sehen in einem Badesee, außer was andere Menschen achtlos weggeworfen haben – meine Schublade von Klischees, in die ich nicht weiter reinschaute, war weit geöffnet

Als ich am Schladitzer See auf Fabian Lehmann traf, änderte sich meine Meinung jedoch schlagartig. Der 29-jährige betreut das Tauchzentrum im Camp David Sportresort und ich merkte sofort wie er für seinen Sport brennt. Fabian war jahrelang Kampftaucher in der Bundeswehr und hat sich nach seinem Studium mit dem Tauchzentrum einen Traum erfüllt

Er erzählte mir mit leuchtenden Augen von den vielen Höhlen und Grubenstollen im Leipziger Umland, in denen er tauchen geht. Viele davon seien noch jungfräulich und warten auf ihre Entdeckung.

Das war eine Nummer zu groß für mich, Fabian wollte mich stattdessen auf einen Ausflug in 25 Meter im Schladitzer See mitnehmen. Als besondere Highlights bietet das tiefe Blau dort ein Autowrack, Wälder und alte Loren aus der Zeit der Braunkohleförderung.

Wenn man normalerweise die Südsee und dergleichen taucht, dann ist ein deutscher See sicherlich kein Höhepunkt in der Taucherkarriere, aber Fabian hatte zwei Wasserscooter startklar gemacht, damit wir am Seegrund wie zwei U-Boote entlangcruisen können.

Leipzig

Das war ziemlich lustig, auch wenn ich Probleme hatte, damit zu navigieren. So ein Scooter hat ziemlich viel Power und mehr als einmal bohrte ich mich fast in den Grund. Ich war überrascht, wie gut die Sicht war und sah mir fasziniert den Unterwasserwald an. Schließlich wurde der See erst vor rund 15 Jahren geflutet.

Wir tauchten im Trockenanzug mit Kopfhaube und Handschuhen, daher spürte ich die frühlingshafte Kälte des Sees kaum. Bestens ausgestattete Tauchbasis!

Tauchen iem Schladitzer See

Wassersport im Camp David by All-on-sea am Schladitzer See
Schladitzer Bucht
Haynaer Straße
04519 Rackwitz
www.campdavid-sportresort.de

Kajak-Tour durch die Wasserstadt Leipzig

Leipzig
Leipzig gilt als Venedig des Nordens und einst galt der Ort als Seestadt. Alte Stiche aus dem 19. Jahrhundert bezeugen das heute noch. Die Mühlgräben von Pleiße und Elster prägten das Stadtbild, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil dieser Gräben als Abwasserkanäle genutzt oder ganz zugeschüttet. Erst nach der Wende erinnerten sich die wasserbegeisterten Leipziger daran, was ihnen bis in die 1930er Jahre ungetrübte Bade- und Paddelfreuden bereitete.

Deswegen stand als dritte Top Outdoor-Aktivität in Leipzig eine gemütliche Paddeltour durch die Innenstadt auf der Weißen Elster mit meiner lieben Freundin Sabine auf dem Programm. Es war brennend heiß an jenem Tag und unser Ausflug ins kalte Wasser durch unser gekentertes Kajak eine erfrischende Abwechslung.

Wir starteten unsere Kajak-Tour an der Galopprennbahn am Clara-Zetkin-Park in Leipzig. Auf dem Elsterflutbett ging es weiter auf der Stadtelster, vorbei an den Buntgarnwerken in Schleußig. Am Verleih hieß es, wir sollten unbedingt auf dem Karl-Heine-Kanal bis zum Stelzenhaus paddeln. Das verpassten wir allerdings völlig, und fuhren einfach fröhlich weiter auf der Weißen Elster – immer in der Annahme, dass wir uns auf dem berühmten Karl-Heine-Kanal befinden würden. Ich war von den alten, ausgebauten Industrie- und Wohnhäusern mit wild bewachsenen Balkonen, die bis über den Kanal gebaut wurden, begeistert.

Leipzig

Allerdings wunderten wir uns schon darüber, dass wir die Stadt sehr schnell hinter uns ließen und der Fluss in einer schnellen Strömung endete.

Wir bündelten alle unserer Kräfte und paddelten gegen die Strömung an. Keine smarte Idee, da wir uns völlig verausgabten und irgendwann beschlossen, unser Kajak über die Stromschnelle zu tragen. Barfuß kämpften wir uns über den Schotter und ließen uns nicht von versackenden Knöcheln bezwingen. Dabei versackte Sabine bis zur Hüfte im Sumpf und es stank bestialisch nach Schlamm. Wenn wir dort noch eine Leiche gefunden hätten, wäre ich nicht überrascht gewesen – so furchtbar war der Geruch. Wir klammerten uns aneinander und versuchten uns gegenseitig zu helfen, und schließlich schaffte ich es, Sabine wieder aus dem Schlamm zu ziehen ohne selber abzutauchen.

Leipzig

Ein mitleidig dreinblickender Leipziger konnte unser Trauerspiel schließlich nicht länger mitansehen und schrie uns vom Ufer entgegen, dass es keinen Sinn machen würde an der Stelle weiter zu gehen. Die Stromschnellen würden nicht aufhören und ohne Paddelkraft, die wir anscheinend nicht hatten, würden wir an dieser Stelle stecken bleiben. Wir waren wohl auf dem falschen Weg und erst später beim Zurückfahren fanden wir heraus, dass wir in eine unscheinbare Abzweigung hätten einbiegen müssen, die der Karl-Heine-Kanal anscheinend war.

Für die rund sieben Kilometer brauchten mehr als vier Stunden, und wir waren anschließend völlig fertig. Zwei Mädels ohne Ortskenntnisse und mit wenigen Muskeln in den Schultern ist keine gute Idee, aber Spaß gemacht hat es trotzdem mega!

Kajak-Tour in Plagwitz

Bootsverleih im Scheibenholz direkt im Clara-Zektin-Park nahe der Galopprennbahn
Rennbahnweg 2a
04107 Leipzig

* Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Sachsen Tourismus. Vielen Dank dafür!

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