Wann auch immer ich mich in Paris befinde, darf ein Ausflug in die kulinarische Welt der französischen Köstlichkeiten nicht fehlen: Fondant au chocolat, Quiche, Foie Gras, Coq au vin oder Cassoulet lassen das Wasser in meinem Mund zusammen laufen. Seitdem ich einmal ein Praktikum in der Stadt der Liebe gemacht habe und mich für längere Zeit durch die raffinierte französische Küche kosten durfte, habe ich nicht nur mehrere Kilo mehr auf den Rippen sondern auch eine innige Liebe mit dem besten Steak-Haus der Welt entwickelt: Dem „Relais de Venise.“

In Paris gibt es drei Restaurants, die allesamt den Geschwistern der Gineste de Saurs Familie gehören. Bereits im Jahr 1959 kaufte deren Vater, der Weinlieferant Paul Gineste de Saurs, das Relais de Venise im 17. Arrondissement nahe der Metrostation Porte-Maillot.

Dieses Restaurant serviert seit über fünfzig Jahren nur ein Hauptgericht und ist mit seinem einfachen Konzept derart erfolgreich, dass es mittlerweile zwei weitere Ableger in Paris gibt und die Menschen jeden Abend geduldig vor dem Restaurant Schlange stehen, um einen der begehrten Sitzplätze zu bekommen, denn Reservierungen gibt es nicht.

Le Relais de Venise in Porte-Maillot

Relais De Venise Paris (c) Anja Knorr

Wir kamen gegen 20 Uhr an und reihten uns in die unausweichliche Schlange der Steak-Liebhaber ein. Eine Stunde später ließ uns die Kellnerin endlich in ihr Reich und wies uns einen Platz an. Mein Freund Nicolas erzählte mir, dass es dieselbe Kellnerin sei, die auch schon in seinen Kindheitstagen vor über dreißig Jahren in dem Restaurant gewaltet und geschaltet hat. Seitdem ist das Servieren auch Frauensache und alle Kellnerinnen tragen eine schwarze Uniform mit weißer Spitzenschürze

Das beste Steak in Paris

Gourmet-Steak Paris (c) Anja Knorr

Das Restaurant platzte aus allen Nähten und die Gäste saßen in langen Reihen nebeneinander an winzig kleinen Tischen und Stühlen, die an das Zuhause von Schneewittchens Sieben Zwergen erinnerten. Ich hatte Mühe, mich auf unser Gespräch zu konzentrieren, und in meinem Kopf zwitscherte es wie in einem Bienenstock.

Ohne ein einziges Mal gefragt zu werden servierte uns die Kellnerin einen einfachen, mit Walnüssen und einer Senf-Vinaigrette garnierten Salat. Kurz darauf brachte sie das formvollendeste Steak, das ich je gegessen habe. Saftig-zart, kein einziger zäher Fettfaden mit einer cremigen Buttersauce aus Thymian und Sahne. Ohne Schnörkel wird das Entrecote einfach mit Fritten serviert. Und damit der Gast auch ja genug davon schmecken kann, wird das Hauptgericht in zwei Gängen aufgetragen und per Hand nach geschenkt. Sünde hatte noch nie so gut geschmeckt.

Das Beste zum Schluss

Profiteroles Paris (c) Anja Knorr

Erst zum Dessert erhielten wir eine Karte und durften uns eine Nachspeise aussuchen. Völlig überfordert von so viel Auswahl nach einem Abend der Einfachheit entschieden wir uns für die Profiterole. Diese kleinen Windbeutel wurden mit Schlagsahne gefüllt und mit dicker Schokoladensauce überzogen. Ein Genuss vom Feinsten.

Nur der Abgang im Restaurant ist etwas gewöhnungsbedürftig: Schnell erhielten wir die Rechnung und wurden mehrmals zum Bezahlen aufgefordert. Denn bei derartigem Andrang draußen auch in den späten Abendstunden, will seinen Gästen genügend Platz anbieten. Zum gemütlichen Sitzen und stundenlangen Erzählen also nur bedingt geeignet. Wer jedoch das beste Steak in einer typisch Pariser Atmosphäre genießen will, ist im Relais de Venise genau richtig.

Le Relais de Venise
271 Boulevard Pereire
Porte-Maillot
Tel: +33 (0) 145 74 27 97